Vergnügliche Kinospielerei
Wie schon in seinem Film The Artist kann sich Michel Hazanavicus kaum einkriegen vor Vergnügen an der Spielerei mit dem Film, hier nach einer Originalgeschichte von Shin’ichirô Ueda und Ryoichi Wada.
Mit einem Perfektionismus sondergleichen rückt Hazanavicius dem Chaos an einem Filmset auf den Leib. Spoilerwarnung: wer wirklich überrascht werden will, denn auf Überraschung ist der Film angelegt, sollte sich gleich wieder ausklinken, weil bei einer Review zu diesem Film notgedrungen gespoilert werden muss.
So viel ist vielleicht noch nicht gespoilert, dass Michel Hazanavicius sich liebe- und blutvoll das Zombie-Genre vorknöpft; er geht es anekdotisch an.
Wer unvoreingenommen und unvorinformiert wie ich im Kino sitzt, wundert sich eine ziemlich Weile lang und fragt sich, kann das der Ernst des Filmemachers sein. Das ist der Hammer, da läuft als Plansequenz, ein Begriff der später noch erläutert wird, ein vollkommen sinnfreier, aber farbenfroher Zombiefilm, der zudem Film im Film ist, es ist der Dreh zu einem Zombiefilm; hier also schon verspielte Verschachtelung.
Eine japanische Geschichte in Frankreich gedreht in einer großartigen Location, ein leerstehender Schulbau mit Terrassen und Treppen, Fluren und Freigelände. Der Film ist, das fällt auf, in einer prima bearbeiteten Farbchromographie gedreht, stilistisch konsequent.
Romain Duris ist der Regissur in all seinen Charme- und Wutvarianten. Er besteht stur darauf, eine Szene nochmal zu spielen. Es steht bei Take 31. Das Team wird unruhig. Aber er meint, die Darstellerin zeige immer noch keine richtige Angst vorm Biss des Zombies.
Dieser in sich stimmige und irgendwie vollkommen sinnfreie Zombiedreh geht weiter, bewegt sich innerhalb der Location. Irgendwann fragt sich selbst der Zuschauer, der nicht allzu schnell ist von Begriff, ob dass alles one Take, also in Plansequenz gedreht ist; und tatsächlich ist, wenn überhaupt, recht raffiniert, kaum geschnitten worden. Das Zuschauerhirn arbeitet weiter, Moment, da ist die blutüberströmte Darstellerin doch eben die gut sichtbare Treppe hochgekommen, jetzt geht sie mit dem Beil wieder runter und es gab garantiert keinen Schnitt, Kamera bleibt oben, und sie schlägt mit dem Hammer auf den Regisseur ein und Blut spritzt, ganz klar Filmblut, also da muss sich jemand von unten an die Treppe herangeschlichten haben, um das Blut spritzen zu lassen.
Dann folgt noch eine Aufnahme vor dem Ende, da bewegt sich die Kamera auf eine Position zu, an der garantiert kein Kran stehen kann und der Zuschauer fragt sich, wie die sich jetzt aus dem Nichts mehrere Meter in die Höhe schieben konnte. Die Auflösung dieser und anderer Fragen folgt bald.
In einer Rückblende wird die Vorgeschichte erzählt. Es geht um die Übernahme eines Formates für eine Live-Plattform, in welche solche Filme übertragen werden. Da fängt das Zuschauervergnügen dann richtig an auch mit der Bewunderung für den Perfektionismus, der hinter all dem Chaos steckt und mit einer überraschenden Team-Building-Übung. Hier spricht die pure Freude an der Herstellung von Kino, ohne Magengrummeln oder Durchfall (die Kotze im Zombie-Film ist doch nie echt!).