Männliche Physis als Leckerbissen
speziell für Frauen, das ist das Prinzip der Chippendales, das hat vor 25 Jahren der britische Film Full Monty – Ganz oder gar nicht im Kino sehr erfolgreich praktiziert; hier ging es um arbeitslose Männer, die aus Verzweiflung heraus einen Stripabend auf die Bühne stellen wollen; eine wunderbare Soziokomödie voll schräg-traurigen britischen Humors. Das schafft, das vorweg, Steven Soderbergh als Regisseur nach einem Drehbuch von Reid Carolin mit dem neuesten Magic-Mike-Film nicht. Es ist lediglich ein Sequel von Magic Mike auch in der Regie von Steven Soderbergh und Magic Mike XXL; die Drehbücher stammen sämtliche von Reid Carolin.
Der Film, jetzt wieder mit Steven Soderbergh als Regisseur, taucht zu Beginn in eine Party von Superreichen ein. Mike (Channing Tatum) bedient an einer Bar im Freien. Hier inszeniert Soderbergh aufregend und aufregend genau beobachtend die Herrschaftsverhältnisse und die Sehnsucht der Herrschaft nach Abenteuern mit der Dienerschaft.
Die Partygeberin Maxandra Mendoza (Salma Hayek) bestellt einen Drink und flirtet schon so merkwürdig mit Barkeeper Mike. Es gesellt sich ein junges, elegantes Paar dazu. Die schlanke blonde Gattin studiert Mike und wundert sich, dass er sie nicht erkenne. Hier wird klar, er ist ein Mann mit Vergangenheit.
Später wird Mike zu einem Tête-à-Tête mit der Gastgeberin in den Salon bestellt. Sie möchte, dass er noch einmal für eine Frau tanzt entgegen seinem Entschlus, seine Vergangenheit hinter sich zu lassen. Sie fragt ihn gleich nach dem Preis, er sagt 60, sie meint 60 Tausend, das sei wohl etwas viel. Klassenunterschiede halt.
Es folgt eine richtig schöne Tanz-Erotik-Nummer. Alles noch spannend. Sie überredet ihn, mit ihr nach London zu fliegen, sie hat mit ihm etwas vor. Privatjet – kinoergiebig. Im Rattigan-Theater, das Miss Mendoza gehört, wird ‚The Ascendant‘ gespielt. Immer noch ist die minutiöse Schilderung des Superreichen-Milieus oder jetzt auch des Theaters spannend und akkurat. Ihr Auftritt mit Mike und ihrem Butler Victor (Ayub Khan-Din) – ha, ha, viktorianisch gab es einmal – vor dem Theater-Ensemble: die Macht des Geldes: sie setzt ohne Vorankündigung das Stück ab, die Leute werden weiterbezahlt, Mike soll innert einem Monat eine Stripper-Show auf die Bühne stellen, die die kühnsten Träume der Frauen noch beflügelt.
Ab jetzt nimmt der Film einen vorhersehbaren Lauf. Wie zu erwarten, gibt es Schwierigkeiten und nachdem alle trickreich ausgeräumt sind, wird es eine fetzige Show geben, die sich in die Länge zieht. Der Film suhlt sich undistanziert im Tanz der nackten Männeroberkörper und suhlt sich und suhlt sich und fühlt sich auch noch bemüßigt, Footage der ersten Tanzszene erklärenderweise hineinzumontieren. Fast wäre man versucht von einer Stripper-Schmonzette zu sprechen und Regie und Drehbuch fangen an, austauschbar zu wirken.