Der Geschmack der kleinen Dinge

Japanikum –
Auf der Suche nach dem verlorenen Umami

Victor Hugo und Marcel Proust als Zitatenpaten in diesem Film von Slona Sow.

Starkoch Gabriel Carvin (Gérard Depardieu) versucht, eine frühe Scharte in seiner grandiosen Karriere auszuwetzen. Dabei spielen eher wie zufällig eingestreute Literaturhinweise eine Rolle, die Suche nach der verlorenen Zeit von Proust wird zu einer Suche nach einem verlorenen Geschmack.
Dass ihm früh in seiner Karriere bei einem Wettbewerb ein Konkurrent aus Japan den Preis wegschnappt, das ärgert den hochdekorierten Starkoch, der in einem Schloss residiert, maßlos. Trotz Herzinfarkt macht er sich auf die Reise nach Japan, um den ehemaligen Rivalen, aufzusuchen und hinter dessen Geheimnis zu kommen. Das ist die Suche nach dem Umami.

Die Miserablen von Victor Hugo fallen auch eher zufällig als Hinweis und dazu noch missverstanden ab. Führen aber am Ende von Carvins Japanreise zu einer humanistischen Erkenntnis.

Die Familienverhältniss von Carvin sind kaputt zu nennen. Seine Frau (Sandrine Bonnaire, die sich nicht scheut, eine fertig aussehende Managerin zu spielen) hat ein Verhältnis mit einem anderen. Zu den Söhnen ist die Beziehung nicht besser. Der eine, Nino (Rod Paradot) arbeitet zwar in der Küche mit, aber er hat nie das Talent seines Vaters. Auch er wird eine Entwicklung durchmachen in diesem wie wild und oft zufällig auf die Leinwand geworfenen Film mit einer höchst nervösen Kamera und Antreibermusik, mit schnellen Schnitten, mit teils wie beliebig erscheinender Montage und einem Script, das Momente aus der Story herauspflückt, die sich offenbar gerade zum Erzählen eignen. Sozusagen grob gehobelt, ruckelig und aufgemotzt gleichzeitig.

Die Geschichte bedient sich noch bei einem Austernfischer (Pierre Richard), bei einer elitären Foodbloggerin (Assa Sylla), bei einer depressiven japanischen Enkelin, die ihre Psychopharmaka nicht einnimmt.

Der Film begibt sich in japanische Winterstimmungen und zu einem Winterresort. Von all dem unerschüttert ruht Gerade Depardieu wie ein Autochthon, wenn er nicht gerade im Kimono hoch auf einem Dreirad fährt.

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