Tara

„Die Tara ist ein kleiner Fluss am Stadtrand vo Taranto, einer vor 3000 Jahren gegründeten Stadt am Mittelmeer. Der Name leitet sich von Taras, dem mythischen Sohn Poseidons, dem Gott des Meeres ab.“

Der Film von Volker Sattel und Francesca Bertin kreist um die Italianità. Er begibt sich in die Untiefen des Flüsschen Tara, schwimmt mit im Gras an dessen Boden, an all dem Aufgeschwämmten im Wasser, ist unter der Jugend, die ins Bächlein springt, fährt entlang der Industriegebiete, die den Bach in Richtung Meer säumen und findet auch mal Found-Footage.

Der Film ist eine wundervolle Sommerdoku, ist mittendrin auf kleinen Flecken niedergetrampelten und zu Stroh verdorrten Schilfes, auf dem die Menschen aller Generationen in Badekleidung sich dichtgedrängt tummeln.

Der Film hält inne auf einer Brücke schon weit in der Ebene und guckt runter auf einen Fluss, der von den Algen schier verdrängt wird. Zwei Wissenschaftler untersuchen die Wasserqualität, nein, trinken kann man dieses Wasser schon lange nicht mehr, aber darin baden ist kein Problem.

Der Film findet eine Stelle des Flusses, dem Heilkräfte zugesprochen werden wegen einer unteriridischen Schwefelquelle, auch dieser gewinnt er filmische Qualitäten ab und wer sich mit Schlamm einreibt, kann von Heilerfolgen sprechen; es ist alles offen in der Natur, ein Seil über den Fluss, an dem sich die Menschen entlang hangeln.

Der Film hört sich die Geschichte vom Esel an, der zu Mussolinis Zeiten als krank aufgegeben worden war und sich an dieser Heilstelle des Flusses bestens erholte. Der Film verschließt seine Augen auch nicht vor dem gewalttätigen industriellen Umbau der uralten Gegend.

Der Film zeichnet ein vielfältiges Bild von Italianità in einem Paradiesgarten der Erde und wie die Menschen einerseits über Jahrhunderte Tradition aufgebaut, das Wasser gemanagt haben, andererseits heutig hochindustriell noch brutaler vorgehen inklusive der sozialen Folgen, während sie gleichzeitig den Dingen ihren Lauf lassen und nicht alles organisiert und mit Vorschriften geregelt und zugrunde gerichtet werden muss, wie die wilden und populären Badestellen zeigen.

Die Leukaspiede-Schlucht von der Stahlindsutrie einverleibt. Irreparable Vernarbung der Schlucht durch die Deponie. Jetzt gibt es immerhin Leute, die nach den Verantwortlichen verlangen, die Deponie zu sanieren, bevor bei einer extremen Wetterlage die Gifte ihren freien Lauf nehmen.

Der Film entdeckt die filmisch faszinierende Seite des Infernos eines Stahlwerkes: ILVA in Taranto.

Und der Film stromert durch einen bombastischen Friedhof. Nach diesem öffnet sich der Film zur Stadt Taranto, auf der ersten Silbe betont, wie eben auch der Fluss Tara.

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