Seaside Special

A Love Letter from Europa
oder eine Liebeserklärung an Britannien

Das britische Cromer in Norfolk liegt näher an Amsterdam als an London. Dort ragt eine Pier ins Meer hinaus, die sich nach Europa streckt. Auf dieser Pier ist das Variété-Theater, dem diese hingebungsvolle, liebenswürdig die bösen Klippen des Brexit umschiffende Hommage von Jens Meurer gilt.

Das „Seaside Special“ gibt es schon 40 Jahre lang. Es ist einer Rarität und spielt jetzt noch eine Saison von drei Monaten mit zwei Vorstellungen täglich.

Der Film ist eine Hommage an das Revue-Theater und seine Künstler (Moderatoren, Sänger und Sängerinnen, Tänzer und Tänzerinnen und ein Magier), die im Schweiße ihres Angesichts und mit saisonalen Verträgen ihr Leben verdienen als Soloselbständige (ein Begriff, der bei uns dank der Pandemie ins Scheinwerferlicht der Politik geraten ist).

Eine Saison lang begleitet der Dokumentarist das Ensemble von den Proben bis zur Dernière. Es ist die Zeit des sich abzeichnenden Brexits, der Wahl von Boris Johnson zum Premier, der droht, den Brexit allenfalls auch ohne Vertrag durchzuziehen mit den bekannten Folgen.

Dieses politische Thema begleitet den Film in kleinen Bemerkungen da und dort und aus dieser Position und aus jener, aber es bleibt randständig, eher wie ein Dekor, ein skurriler Dekor zu einem kleinen Variété-Theater, durch dessen Boden man die Wellen des Gewässers zwischen Festlandeuropa und dem ausscheidenden Britannien sehen und spüren kann.

Unangefochten vom Brexit bleibt es in Betrieb; allerdings wird nach dem Ende des Drehs Covid kommen und auch dieses Theater vorerst leer stehen lassen. Es ist ein wunderbarer Mikrokosmos vielleicht Britanniens oder Europas? Es gibt Jokes in der Show, aber die sind nie agitatorisch. Und es gibt einen Blick in die Wahllokale bei den Neuwahlen.

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