Rache auf Texanisch – Vengeance

Es macht Laune,

dieser kräftigen amerikanischen Filmerzählkunst zuzuschauen und wie sie gleich das Autorentum, das für eine Story über Leichen geht, selbstironisch auf die Schippe nimmt.

Auch wenn Fragen offen bleiben, besonders wenn man den Film im amerikanischen Original gesehen hat. Der Film spielt in Texas, wo Silben gerne gut geölt verschluckt werden, und unsereins nicht Wort für Wort versteht.

Spielt keine Rolle, da es sich hier nicht um die Art von Recherchekrimi handelt, bei dem entscheidend ist, wer denn den Mord an einer jungen Frau begangen hat, da ihr Tod außerdem gar nicht als Mord erkannt worden ist.

B. J. Novak ist hier nicht nur der Drehbuchautor und Regisseur, er ist auch der Protagonist, der Journalist Ben Manalowitz, der wohl ein flüchtiger Bekannter der jungen Toten aus Texas ist und Hals über Kopf aus New York nach Texas zur Beerdigung fliegt. Diese Spontaneität möchte man gerne haben. Und zu einigen Wort am Grab der womöglich Unbekannten oder eben nur flüchtig Bekannten verdonnert wird. Viel fällt ihm nicht ein, er sieht eine Gitarre auf einem Bild, stottert was davon, dass sie die Musik liebte und das wars mit der Trauerrede.

Der Chefin seiner Podcast-Redaktion in New York, Elloise (Issa Rae), kann er bald schon mitteilen, dass er an einer Story dran sei, da es sich vermutlich um Mord handelt.

Wie ein Freund wird Ben in der Familie der Toten aufgenommen: lauter knallige Charakterfiguren prallen Lebens und letztlich nicht so dumm, wofür der Städter sie leichtfertig halten möchte: von Ty (Boyd Holbrook) über Paris (Isabella Amara), Kansas City (Dove Cameron) zu Mama Sharon (J. Smith-Cameron) bis zu Oma (Louanne Stephens) und dem kleinen Bruder Stupido (Eli Bickel) bauen ihn direkt in ihre Familie ein, drohen ihn schier zu ersticken und an den Nachforschungen zu hindern.

Eine weitere herrlich schräge Figur ist der Musikproduzent Quentin (Ashton Kutcher). Er veranstaltet auf Ölfeldern Megapartys, bei denen Drogen vertickt werden.

Ganz zwischendrin stellt sich die Frage, was denn nun die „real world“ sei – gar nicht so einfach zu beantworten, wenn die Kinowelt so überzeugend lebendig dargestellt ist.

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