Maria träumt – oder: Die Kunst des Neuanfangs

Leicht wie ein Aquarell

tupfen Lauriane Escaffre und Yvo Muller ihren Feelgoodfilm auf die Leinwand. Es ist die Geschichte der Putzfrau Maria Rodrigues (Karin Viard), die spät im Leben noch mit Träumen anfängt. Sie ist verheiratet, vermutlich seit ewigen Zeiten, mit Oratio (Philippe Uchan), der träumt vom Fado und seinem Portugal; Gegenwart und Ehe sind für ihn offenbar zu Zutaten wie Möbel geworden.

In dieses Routineleben bricht wie ein Eisbrecher der Tod der Arbeitgeberin von Maria ein. Sie muss einen neuen Job suchen. Sie findet ihn in der Kunstakademie, Regisseurin Lauriane Escaffre höchstpersönlich spielt deren Präsidentin. Nach einem Malheur à la Joseph Beuys Fettfleckschicksal, von einer Putzfrau weggereinigt, das Hausmeister Hubert (Grégory Gadebois) listenreich ausbügelt, freundet Maria sich mit der Kunststudentin Naomie (Noée Abita) an.

Wie diese ihre Kunst hochtheoretisch begründet, diese Vulven, die an Fäden gehängt und um ein Hochzeitskleid arrangiert werden, das darf ruhig als satirischer Blick auf den modernen Kunstbetrieb verstanden werden, auch die Mode der beweglichen Kunst: Nahrungsmittel, die vergammeln.

Maria wird zur unentbehrlichen Mitarbeiterin für die Studentin, wird unfreiwillig Teil einer Präsentationsperformance (ihr Wischer bleibt kleben). Zum Hausmeister Hubert entwickelt Maria, zwar nicht überraschend, Gefühle, mit denen sie bei ihrem Mann nicht mehr landen kann. Und Hubert hat auch noch seine Träume und sogar ein verstecktes, schnuckeliges Traumauto, von der Art, wie es zur Zierde eines jeden hübschen Filmes gereicht.

Putzfrauenträume wurden im Kino neulich schon wahr bei Mrs. Harris und ein Kleid von Dior. Auch Juliette Binoche wagte sich vor nicht allzu langer Zeit in die Rolle einer (Fähren-)Putzfrau in Wie im echten Leben – Ouistreham.

Als Kunstprofessor Hendrik Kofman wird Regisseur Yvo Muller sich mit seiner Koregisseurin auf dem Dachboden der Akademie vergnügen. Sich verlustieren im eigenen Film. Für zusätzliche Leichtigkeit sorgt die Tonspur mit Anklängen an die griechische Musik einerseits und mit Elvis-Einschlägen andererseits, da Hubert heimlich das Tanzen übt. Der Hüftschwung ist noch verbesserungsfähig.

Wermutstropfen ist die deutsche Synchro, die scheint billigst und lieblos dazu.

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