Lonesome

Schnörkellos australisch

Lonesome, lonesome cowboy, lonesome gay boy; schnörkellos australisch erzählt Craig Boreham von Casey (Josh Lavery), der nach unguten Dingen auf dem Land in der Großstadt landet.

Casey ist ein verschlossenere Typ, hat noch oft diese hochroten Wangen eines Menschen, der Wachstums-Probleme zu bewältigen hat (am häufigsten kommt das im schnellen Pubertätswachstum vor), die er nicht formulieren kann. Er wirkt als ein Mensch, der sich nichts wert ist, der keinerlei Regungen zeigt, keine besonderen Interessen, der auf die Welt geworfen ist, ziellos, sinnlos.

So trampt Casey vom Land in Richtung Stadt. Er lässt keine besonderen Interessen erkennen, schon gar keine erotischen. Er ist offenbar für Verführungsspiele, Anmachspiele, Flirt nicht zu haben; ein lonesome Tramp. Ohne weitere Emotion kommt es auf einer Raststättentoilette zu einem Fick mit einem LKW-Fahrer. Es ist nicht mal klar, ob Casey dafür etwas nimmt.

Man sieht Casey in einem Laden Dinge klauen. Er hat offenbar keine soziale Umgebung, kein soziales Netzwerk, keinen Job, kein Zuhause – es gibt lediglich ein paar problematische Anrufversuche.

Casey schleicht sich auf eine Party und bedient sich an den Getränken. Es kommt zu einer skurrilen Begegnung mit einer Frau, Candice (Ally Morgan), die letztlich mit dem Typen auch nichts anfangen kann.

Dann trifft Casey auf Tib (Daniel Gabriel). Der ist das pure Gegenteil von Casey, ein offener, lustiger, lockenhaariger Schwuler, der seine Umgebung wach wahrnimmt, mustert, einordnet, bewertet. Auch die beiden haben schnell ihren Fick. Irgendwie kommen sie ins Gespräch. Casey kann sogar mit Tib jobben. Zarte Ansätze einer Beziehung entwickeln sind. Diese scheinen aber vorerst auf dem vertrockneten Acker von Casey, muss schlimm gewesen sein, was er auf dem Land hinter sich hat, nur sehr dürr gedeihen zu können und scheinen auch höchst gefährdet zu sein.

Immerhin hat Casey kapiert, dass er in diesem Milieu begehrt ist und nach dem Bruch mit Tib wendet er sich über Internetanzeigen dem professionelleren Teil zu, der von den Normalos als pervers bezeichnet werden würde.

Craig Boreham schildert den Weg dieses einsamen Cowboys, der selber auf seinem Handy romantische, nackte Traumbilder aus Kornfeldern mit sich rumträgt, geradeaus, fast sachlich protokollarisch, ohne es kommentieren oder relativieren zu müssen, er wartet geduldig auf allfällige menschliche Regungen im Gesicht seines Protagonisten. Das kann auch mal das Anspielen von Folklore-Tanzbewegungen sein und indiziert dann wohl ein Maximum an Gefühligkeit und Offenheit.

Casey segelt letztlich eben doch nicht teilnahmslos durch die recht zerfahrenen Welten.

Am Schluss entschuldigt sich der Film, dass er auf Indigenen-Gebieten der Gundungurra, Garidgal und der Bedegal-People gedreht habe und weist darauf hin, dass die Fragen der Restitution dieser Gebiete nicht geklärt sind.

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