Digital Life

Städters Paarungsverhalten in der digitalen Corona-Schlaufe

Corona hat die Menschen einsam gemacht. Die sozialen Medien machen die Menschen einsam. Aus diesen beiden Einsamkeiten hat Malte Wirtz (Voll Paula!) in einem reizvollen Experiment das Anbandelverhalten einer jungen, von mehrfacher Vereinsamung bedrohten Generation, die sich nach Paarung nicht weniger sehnt als jede Generation vor ihr, zu einer Art virtueller Rom-Com verdichtet.

Es ist alles drin, was in diesem Lebensalter mit jungen Menschen, die noch nicht verbandelt, sind passiert: die Verabredungen, der Alkohol, die Zigaretten, die Absichten, die Attraktion, die Eifersucht, die Enttäuschungen, die Besprechung nach der Nacht; ein fröhliches Experiment schicksalshafter Vereinsamung einer ganzen Generation, das trotzdem alle Elemente der Partner- und Unterhaltungssuche enthält.

Beziehungen und Verflechtungen, Flirt und Hoffnungen, Absagen, was auf den Marktplatz der Paarungen gehört, eine digitale Ménage à trois, die zu einer Ménage à quatre, gar à cinque wird, zwei Frauen, nein, drei Frauen, zwei Männer, nein, drei Männer, kein Paar nirgends oder in der Vergangenheit.

Geld verdienen, Musik machen, ins Ausland gehen, das sind die Themen von Alec (Alec Rosenthal), Mark (Holger Bülow), Gerrit (Gerrit Neuhaus), Judith (Judith Shoemaker) und Julia (Julia Keller).

Oder auch: jugendlich, sexy, liebeshungrig rumhängen in der digitalen Schlaufe – alles ist Erinnerung, alles ist Gesprächsstoff, alles ist gewesen, alles ist Verbalisierung , alles ist Vorstellung – Ersatz der physischen Existenz durch virtuelle Virulenz.

Liebe im Kopf und digital im Anbandel-Small-Talk; immer auf dem Sprung sein – oder verkatert; alle Topics sind in diesem Zusammenhang zu sehen, verrückter, schräger und witziger als in jeder hochsubventionierten, redaktionell betreuten deutschen Beziehungskomödie.

Die Sugarmamma. Die Bohrmaschine als Dauer-Requisiten-Topos. Ein Zeitraster. Die Frage nach dem Smart-Move oder die moderne Art des Minnesangs.

Der reale physische Partner ist der Laptop mit dem Bild des anderen drauf. Und das an die zwei Stunden lang, das macht die Defizite reiner Virtualität spürbar.

Die Montage ist tendenziell godardsch zu nennen, wobei dieser vielleicht noch Begriffs- und Textschilder eingefügt hätte oder fundierende Theoreme.

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