Acht Berge

Was ist der Sinn des Mannes?

Dieser Film von Felix von Groeningen (Beautiful Boy, Café Belgica,
The Broken Circle und Charlotte Vandermeersch nach dem Roman von Palolo Cognetti kann in einer Reihe von anderen großartigen Filmen mit ähnlicher Themenstellung gesehen werden: Märzengrund (der verkappte Künstler, der sich auf eine Alp zurückzieht), Grump von Mika Kaurismäki, der die Fragestellung aus der Sicht alter Männer angeht oder The Banshees of Inisherin, mit der Radikalvivisektion einer Männerfreundschaft.

Es geht um die Freundschaft von Bruno (im Erwachsenenalter: Alessandro Borghi) und Pietro, im italienischen Bergdialekt Bero genannt (im Erwachsenenalter: Luca Marinelli). Als 12-jährige Buben lernen sie sich kennen. Pedro ist das Stadtkind aus Turin, Vater Ingenieur, Mutter auch gebildet. Sie verbringen Sommertage hoch oben in den Bergen. Hier lebt noch als einziger Bub Bruno, Vater ist Maurer.

Es ist eine ungetrübte Knabenfreundschaft, die noch schöner wirkt, als der Film nicht nur im Quadratformat gedreht wurde, sondern auch am liebsten eine statische Kamera verwendet, die die Postkartenhaftigkeit der Bergwelt besonders zur Geltung bringt.

Der Film lässt die Freundschaft abrupt abbrechen, wie Bruno mit 13 auf Wunsch seines Vaters bereits in die Erwerbswelt eintreten muss im Maurergewerbe. Der Film beginnt 1984, wie die beiden 12 sind. Es wird nichts mit dem Gymnasium in Turin für den Bergbuben, so wie die Mutter von Bruno es einfädeln möchte.

Es gibt flüchtige sommerliche Begegnungen, wie die beiden junge Männer sind.

Es folgt ein Sprung von 15 Jahren bis zum Tod von Pedros Vater. Dieser hat dem Sohn eine zerfallene Hütte hoch im Gebirge hinterlassen. Die Freundschaft erneuert und festigt sich durch den gemeinsamen Hausbau. Beide haben sie somit ein Haus gebaut, Pedro hat auch einen Baum ge(ver)pflanzt. Fehlt noch die Geschichte mit dem Kind.

Mit Lara (Elisabetta Mauzzullo), die am Bergleben den Narren gefressen hat, kommt das Frauenthema ins Spiel. Dieses entscheidet Bruno zu seinen Gunsten. Er hat sein Nest gefunden.

Pedro geht leer aus und sucht Ersatzlösungen am Himalaya, in Nepal. Er scheint auch schriftstellerische Versuche zu machen, jobbt aber, wenn er wieder in Italien ist, in einer Bar.

Die ökonomische Situation zerbröselt das Familienleben von Bruno. Die Männerfreundschaft belebt sich neu. Die Sinnfrage aber bleibt, was ist das wahre Leben oder gibt es nur das Ersatzleben mit den acht Bergen? Die Suche nach der Antwort auf die Frage, den Platz auf der Welt finden und jemanden kennenzulernen, zB Asmi (Surakshya Panta). Und wenn die Männer nicht weiterkommen? Da gibt es den schönen Begriff der Expertin für schweigsame Männer. Diese Expertise kann der Film für sich in Anspruch nehmen.

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