The Banshees of Inisherin

Warum können die Menschen nicht in Frieden leben?

Der Drehort dieses Filmes von Martin McDonagh (Three Billboards outside Ebbing Missouri, 7 Psychos) ist traumhaftestes Irland, eine Insel namens Inisherin, Irland, wie es auf keiner Werbung grüner und friedlicher promotet werden könnten; reine Entspannung fürs Auge.

Es ist das Jahr 1923, auf dem irischen Festland herrscht der irische Bürgerkrieg. Aber doch nicht auf der Insel. Pádraic (Colin Farrell) lebt mit seiner Schwester Siobhan (Kerr Condon) im Haus ihrer Eltern, die schon vor Jahren gestorben sind. Sie leben friedlich zusammen, haben eine Kuh. Auf Inisherin betreibt Jonjo (Pat Shortt) die Kneipe. Die Bewohner treffen sich dort. Das sind Rituale. Das sind feste Gewohnheiten. Das lässt auf ein intaktes Gesellschaftsleben schließen.

Zur Runde in der Kneipe gehört auch Colm (Brendan Gleeson), der lebt allein, hat einen Hund, ist älter als Pádraic. Die beiden Männer sind Freunde. Doch mit Beginn des Filmes plötzlich nicht mehr. Pádraic will Colm abholen für den Kneipengang. Colm reagiert nicht. Und das hartnäckig, als ob etwas zwischen den beiden vorgefallen sei. Das bekommen andere Bewohner bald spitz. Pádraic beginnt an sich zu zweifeln.

Es folgt eine Phase des Filmes, die an Samuel Beckett erinnert, die beiden Figuren als merkwürdige Existenzclowns, die plötzlich an allem zweifeln und gar auf Godot warten. Eine Lösung oder Erlösung gibt es nicht.

Es ist der Kompositionswille, der in Colm, der Geige spielt, durchbricht. Er will keine ’netten‘ Einflüsse von außen. Es geht um künstlerische Autarkie und Unabhängigkeit. Das kann Pádraic nicht nachvollziehen; es wird ihn beschäftigen, dass er nur nett sei, dass er langweilig sei. Er redet doch auch nur, was die anderen reden. Er kommt in dem Konflikt überhaupt nicht mit.

Es ist pötzlich etwas Ungeheures, was über der Insel und zwischen den beiden Männern lastet. Ein Friede ist nicht möglich. So wie auf dem Festland, das von der Insel aus zu sehen ist, auch immer wieder Rauchwolken des Krieges aufsteigen.

Pádraic kann Colms Ansinnen nicht ernst nehmen, trotz ernsthafter Drohungen durch Colm. Es wird zu sehen sein, wie sich irrationale Kräfte ihren Weg bahnen mit blutigen Folgen.

Eine Figur daneben ist der junge Dominic (Barry Keoghan); der ist vorwitzig und kann noch weniger nachvollziehen, was da vor sicht geht. Er macht lieber die deutlich ältere Schwester von Pádraic an. Sein Vater ist der Polizist Peadar (Gary Lydon); als Vater ein brutaler, schlagender Kerl.

Die katholische Kirche kommt auch vor, dominant durch den Priester (David Pearse); eine scheinheilige Figur, die auf den Konflikt der beiden Freunde keinen Einfluss nehmen kann. Und wie eine Vogelscheuche taucht immer und immer wieder mit bösen Weissagungen die rauchende Alte Mrs. McCormick (Sheila Flitton) am Wegrand auf. Sie wird recht behalten. Die Menschen sind zu friedlichem Zusammenleben nicht fähig. Und je mehr die grüne irische Landschaft das Auge beruhigt, desto wuchtiger kommen die Gesichter der großartig besetzten Akteure zur Geltung in diesem Bildnis eines Protoypen einer menschlichen Gesellschaft, die offenbar in Frieden nicht leben kann.

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