Humanitäres Austragsreislein
Der BR meint es gut mit seinem altgedienten Franz-Xaver Gernstl und finanziert ihm ein Nach-Saison-Austragsreislein der Adria entlang nach Jesolo; fast will das schon als ein humanitärer Akt von BR-Redakteurin Ulrike Ebenbeck erscheinen. Denn als Kind aus Rosenheim durfte Franz-Xaver nie an die Adria fahren. Ein Nachholreislein. Und nicht mehr allzu anstrengend für den inzwischen müde wirkenden Weltenbummler.
Es wird ein freundliches Reislein werden, manche Senioren und Seniorinnen erkennen ihn noch, manche wissen nur nicht woher; sie sind in ähnlichem Alter, Rentner. Allzu viel scheint die Produktion nicht vorbereitet zu haben, es gibt noch eine Werbung für einen Autor, der ein Italienbuch geschrieben hat und auf einer kleinen Adria-Insel lebt. Dafür werden Gernstl und sein kleines Team professionell bekocht. Und mit dem Modellbauer aus Österreich, den er wie zufällig auf dem Maker Fair in Triest trifft, scheint auch eine Verabredung vorausgegangen zu sein.
Von einem Ort wird behauptet, dass da noch richtiges Leben stattfinde (Caorle), als ob es eine Reise ins unrichtige Leben sei, womit der BR am Neujahrsabend sein alternde Zuschauerkulisse vorm Fernseher zu halten versucht. Müde und abgeschlafft wirken auch die Begegnungen mit Teilnehmern an einem Oldtimer-Rennen in Bibione oder mit Stammtouristen in Jesolo selber; was mit dem Design District moderner und teurer Architektur überrascht; dann wird noch gezeigt, wie man langweiligstmöglich eine Sonnenbrille als Geschenk für den Kameramann kauft im Laden eines Italieners und einer Aschaffenburgerin.
Der Kommentar über die 13-Kilometer lange abendliche Fußgängerzone, den dürfte man in jedem beliebigen Reiseführer finden; dazu braucht man kein Filmteam nach Jesolo schicken auf Zwangsgebührenzahlers Kosten.
Aus humanitären Gründen Verzicht auf die rote Karte des Zwangsgebührenzahlers.