Was man von hier aus sehen kann

Die fabfelhafte Amélie lässt grüßen

Der Roman von Mariana Leky, den Aron Lehmann hier verfilmt hat, beschreibt das Leben aus der Sicht eines Mädchens und später aus der einer jungen Frau, Luna Wedler als Luise, das Leben in einem Dorf im Westerwald und was man von da aus sehen kann; wohl nicht allzuviel, so dass die Fantasie der jungen Frau oder auch anderer Figuren, durchzubrennen droht. Wunder und Zufälle mit tödlichen Parallelen.

Selma (Corinna Harfouch) sieht oft Okapis. Und jedes Mal, wenn sie eines sieht, stirbt bald darauf jemand aus ihrer Umgebung. Die Wahrnehmungswelt von Luise erinnert an die Amélie-Welt aus dem Frankreich von 2001, diese fabelhafte.

Im Westerwald ist vielleicht die konkrete Beschreibung der Dorffiguren stärker. Der Tenor ist derjenige, dass jeder ein Geheimnis hat, dass jeder etwas versteckt, dass viele lieber in einer anderen Liebesbeziehung wären oder nebenher noch eine andere Liebesbeziehung pflegen.

Die Westerwald-Dorfwelt ist von Rätseln durchzogen, oft fallen Gegenstände von der Wand in ganz bestimmten Momenten oder jemand fällt durch ein Loch im Boden; der rote Kreis um die daraufhin reparierte Stelle wird zum Symbol der Abwehr des offenbar Unausweichlichen – die Themen wie Liebe und Tod.

Das Dorf hat Angst vor Selmas nächstem Okapi-Traum und, obwohl ein Geheimnis, wissen es alle. Das führt zu massenpanischen Reaktionen.

In der „Einkehr“ hält eine Reihe buddhistischer Mönche Einkehr. Die marschieren, ein schöner alter Filmgag, in Einerkolonne durch das Dorf, sie nennen es Gehmeditation.

Der erwachsenen Luise fällt der Mönch Frederik (Benny Radjaipour) auf. Sie verliebt sich. Aber er hat sein Gelübde. Auch hier ist offen, wie das ausgehen wird, denn wann halten sich Menschen schon an ihre Worte.

Die zentralmarkante Figur ist Karl Markovics, der Optiker, der sich zu Selma hingezogen fühlt. Aber die scheint abgeschlossen zu haben. Sie ist bei Corinna Harfouch in den Händen einer total kalkulierten Schauspielerin, bei der nicht eine Bewegung spontan scheint; die Maske entstellt sie zudem und lässt die fehlende Leinwandaffinität noch stärker aufscheinen. Das Hin- und Herspringen zwischen den Zeitebenen führt ab und an zu kleineren Irritationen, kann aber den schönen Eindruck eines verspielten Erinnerungsfilmes nicht trüben.

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