Rettungsaktion in der Riesending-Schachthöhle
Die Rettung eines Höhlenforschers im Riesending am Untersberg bei Berchtesgaden im Jahre 2014 hypte sich damals zum Medienereignis. Der Unfall passierte mehrere Kilometer vom Höhleneingang entfernt tief unter Tage. Die Rettung hielt die Welt in Atem.
Die Höhle und ihre passionierten Erforscher sind ein Faszinosum für sich. Das kommt glänzend und groß und beeindruckend rüber in dem Film Das Riesending – 20000 Meter unter der Erde.
Das Riesending hat offenbar auch die Zwangsbeitragstreuhänder und Redakteure Claudia Simionescu, Christoph Pellander, Brigitte Dithard, Frank Holderied und Thomas Lüthi gejuckt. Sie haben Jochen Alexander Freydank beauftragt, nach einer Geschichte von Johannes Betz, diese Unfallstory als Katastrophenfilm zu schreiben und zu inszenieren, um einen Zweiteiler für das Abendprogramm zwischen den Jahren zu erhalten.
Der Autor hat nach Schablone, wie aus dem Heimwerkerkasten für Katastrophenfilme, einen ordentlichen Katastrophenfilm in Fernsehrealismus und mit viel Hyperventilation der Darsteller realisiert. Er hat versucht, einen auf Aufregung zu machen im Sinne der Berichterstattung einer Bildzeitung. Mehr kann wohl vom öffentlich-rechtlichen Zuschauer um 20.15 Uhr nicht erwartet werden.
Es geht hier also nicht um den Reiz der Höhle und der Höhlenerkundung. Es geht darum, eine aufgeheizte, dramatische Atmosphäre zu erzeugen. Nebst der entsprechenden musikalischen Gestaltung spielen Helikopter eine wichtige Rolle, die oft landen und abheben und Leute abseilen. Es spielt ein Pressepulk eine Rolle, der in Schach gehalten werden will, es spielen Autos, Rettungswagen eine Rolle, die sich im Tal schier auf die Reifen gehen.
Spannung soll auch erzeugt werden mit chronologischen Zwischentiteln, die einigermaßen beliebig die Zeitspanne zwischen Unfall und aktuellem Zeitpunkt darstellen. Zur Aufgeregtheit sollen Szenen beitragen, in denen zwei Akteure aneinandergeraten oder beinah die Nerven verlieren.
Um den Einstieg zu erleichtern wird anfangs viel erklärt. Im ersten Teil fängt die Bergwacht schon an, eine rettungsverhindernde Rolle zu spielen, es fallen Sätze wie „Die Bergwacht, die haben keine Ahnung von Höhlen“. Die Höhlenbeschreibung kommt glaubwürdig rüber, da erscheinen Begriffe, die schon in der Doku gefallen waren.
Ein Zwischendrama handelt von einer potentiellen Retterin, die wieder aus der Höhle raus muss. Es gibt immerhin auch die positive, ruhige Beschreibung der Atmosphäre in der Höhle: „Kein Handy, niemand, der etwas von einem will“ bei einer lauschigen Gummibootfahrt über einen kleinen See im Berginneren. Auch der „Grat“ kommt als bildlich starkes Hindernis rüber.