Vorsicht, eine Prise Humor hat sich in diesen Tatort verirrt.
Der Schuss Britishness tut den deutschen Akteuren gut, macht sie freier.
Als Krimikomödie fängt dieser Tatort von Jobst Christian Oetzmann nach dem Drehbuch von Robert Löhr unter der redaktionellen Betreuung von Cornelius Conrad an, in britischen Kostümen in britischem Setting: „Heiligabend 1922, Middleton, Beckford Hall, Sitz der Earls of Cumberledge“, steht in den Titeln.
Ein Tatort von anno 1922? Was soll das? Das ist die Prise Humor, die die Zuständigen in diesen Weihnachtstatort reinbringen wollen, was ihnen anfangs auch gelingt, denn der Schuss Britishness tut den deutschen Gewohnheitsakteuren gut, macht sie freier – anfänglich zumindest.
Allerdings, ein deutscher Fernsehdrehbuchautor Robert Löhr ist keine Agatha Christie.
Der Handlungsstrang von 1922 wird zurückgeholt ins Heute, indem die beiden Kommissare Batic und Leitmayr zur Weihnachtsfeier von Kalle eingeladen sind. Dort soll eines dieser landauf und landab runtergenudelten Krimidinners stattfinden. Erst wehren sie sich, dann machen sie mit, Batic als Konstable und Leitmayr als Chief-Inspektor, was erwartbar zu verbalen Rangeleien führt.
Mal spielen sie und die kleine Tischgesellschaft die Rollen in fürstlich-britischem Setting und in den entsprechenden Kostümen, dann sind sie wieder im Heute, was die Erzeugung von Storydrive ausbremst.
Die anfängliche Frische durch Kostümierung und Rollenspiel verfliegt schnell, löst sich in Nichts auf. Dieser Tatort hat seine DNA an der Garderobe abgegeben, nämlich ein soziales Problem aus dem Land in eine Krimihandlung mit eng vorgegebenem Handlungsraster und festen, vom Autor zu bedienenden Rollenmustern einzubauen. Er wird zu austauschbarem, x-beliebigem TV-Unterhaltungsbdrei.
Inzwischen gehört das Granteln der beiden Kommissare über ihre lange gemeinsame Dienstzeit und etwaiges Aufhören zum Repertoire. Vielleicht bereiten sie sich definitiv auf den Absprung vor. Dass sie weich landen, da sorgen sie vor, beispielsweise mit Plakatierung ihrer Tatort-Köpfe – fehlen nur noch die Rollennamen – als Werbung für eine Weihnachtslesung in München – private Tatortploitation.
Rote Karte des Zwangsgebührenzahlers!