Der Glaube macht selig.
Es heißt, dass Kinder, die allein sind, sich gerne einen fiktiven Freund, eine fiktive Freundin erfinden, der oder die ihnen über die Einsamkeit hinweghilft. So ähnlich wirkt es für den Außenstehenden, wenn in diesem Film von Sandra Gold aktiv Religiöse der Frage nach Gott nachgehen: es scheint, als sei er der fiktive Freund, der ihnen über das Leben hinweghilft. Sandra Gold wurde redaktionell betreut von Claudia Gladziejewski, vom BR, von Christa Miranda und Christian Walther von der SRF und von Carlos Gerstenhauer vom BR.
Es ist dies eine Doku speziell für Glaubensaffine und Suchende; es ist eine gediegene Präsentation von Glaubenspositionen mittels eloquenter Selbstdarsteller: eine Zen-Meisterin, eine Schwester in einem Karmel-Kloster, ein Sufi-Scheich und ein jüdischer Lehrer und Psychotherapeut. Diese Protagonisten, das sind perfekte Menschen, die zwar über das Böse Bescheid wissen und es auch in sich wahrhaben wollen, aber in ihrer Selbstdarstellung haben sie dank der Religion den perfekten Umgang damit gefunden.
Der Film darf gesehen werden als Werbematerial für das Anliegen der Protagonisten und ihrer jeweiligen Religion, ihres Ritus. Speziell bei der Zen-Meisterin dürfte es sich um verdeckte Unternehmenswerbung handeln; sie bietet im Internet-Kurse an für hohe Teilnahmegebühren und nicht für Gotteslohn.
Der Film ist dominiert von einer beruhigenden Bilderharmonie, sowohl der Innenräume, die sind überwiegend hell, freundlich und sauber; Gärten, Höfe und die Natur zeigen sich von ihrer fotogenen Seite.
Allerdings fragt man sich, wenn die Weltreligionen wirklich so friedlich sein sollten, wie hier dargestellt, wie konnte es dann zu Kreuzzügen, zu Glaubenskriegen, zu Antisemitismus, zur Unterdrückung der Palästinenser durch die Israelis kommen, wie ist es möglich, dass es immer noch keine friedliche Koexistenz der Religionen gibt? Wenn es ihn geben sollte, wo ist Gott abgeblieben?