Kürzlich gab es die Doku Herzliche letzte Grüße über die Reise von Hinterbliebenen mit der Asche eines Verstorbenen, die die kleine Gesellschaft auf dessen Wunsch in der Arktis verstreuen sollten.
Im Film von Elfar Adalsteins nach dem Drehbuch von Michael Armburster sind es ein Vater, Frank Fogle (John Hawkes) und sein Sohn Sean (Logan Lerman) aus Alabama, USA, die die Asche ihrer Mutter Anna (Andrea Irvine) in Irland in einem See verstreuen sollen.
Es ist ein sorgfältig gedachter und gemachter Spielfilm in der Art der American Independents, der im Laufe dieser Reise Familiengeheimnisse und daraus resultierende Vorurteile von Sohn an den Vater an den Tag bringen.
Sean ist im Gefängnis wegen Autodiebstahls. Die todkranke Mutter mit bereits kahl rasiertem Haupt macht ihren Abschiedsbesuch im Gefängnis, eine ungewöhnliche Filmeröffnung.
An der Behauptung, dass Sean nach Freilassung aus dem Gefängnis nichts mit dem Vater zu tun haben will, gibt’s nichts zu rütteln, das baut die Spannung glaubwürdig auf. Erst die finanziell desolate Situation des Ex-Häftlings macht ihn bereit, diese Reise mit dem verhassten Vater anzutreten.
Es ist eine Umwegreise, eigentlich möchte Sean nach Kalifornien, er hat dort einen Termin, und einige Tage in Irland sind nicht der kürzeste Weg. Vater verspricht für die Kosten aufzukommen.
Es ist kein Zuckerschlecken für die beiden, gemeinsam unterwegs zu sein. Der Sohn bemängelt bei einer Umziehszene mit verhemmtem Charme im Zimmer, dass der Vater sich ihm noch nie nackt gezeigt habe. Das hat seine Gründe.
Weitere Erschwernis dieser letzten Reise ist Seans Bekanntschaft mit Jewel (Sarh Bolger), ein undurchsichtiges Frauenzimmer, die behauptet, gerade von ihrem gewalttätigen Mann abgehauen zu sein. Es ist ein Thema, was sie mit den beiden Männern verbindet. Juwel bezirzt Vater und Sohn.
Der Film ist liebevoll gemacht, immer wieder geerdet mit kleinen Szenen, die Bodenhaftung belegen und auch den damit verbundenen Humor. Der Vater kann kein Auto mit Gangschaltung fahren. Oder der Vater bemängelt es, wenn der ausgehungerte Sohn einer Frau zu tief in den Ausschnitt schaut. Die Abenteuer, die die zwei Männer auf der Reise und mit dieser unbekannten Frau erleben, werden das Verhältnis von Vater und Sohn grundlegend verändern. Ein kleiner feiner Film über Vorurteile und Vertrauen.