Mehr denn je – Plus que jamais

IPF

Lungenfibrose ist eine heimtückische und nicht kurierbare, tödliche Krankheit, falls nicht ein Spender für eine Organtransplantation gefunden werden kann.

Emily Atef (3 Tage in Quiberon, Töte mich) hat die Krankheit jetzt mit Ko-Autor Lars Hubrich (Auerhaus, Tschick) zum Thema ihres neuesten Filmes gemacht und die Hauptrolle der von Lungenfibrose befallenen Hélène mit Vicky Krieps besetzt, die einen sofort an Elisabeth in Corsage erinnert, auch eine Frau in beengten Verhältnissen, auch das ein Film von einer Frau, der sich mit der Befindlichkeit der Frau beschäftigt.

Hélène lebt in Paris mit Matthieu (Gaspard Ulliel) zusammen, der, das beobachtet Emily Atef ganz genau, sich sofort zum Kümmerer verpflichtet fühlt, was Hélène nicht passt. Es ist das Thema, was über dem ganzen Film lastet, wie weit will ein Mensch eine solch irreversible Krankheit den anderen Menschen gegenüber ausstellen, sie dadurch gar mit dem Problem der Sterblichkeit belasten oder wie weit möchte so ein Mensch mit dieser Krankheit allein bleiben, um nicht den unbeholfenen Interessenbekundungen ausgesetzt zu sein.

Das wird sehr deutlich in den ersten Szenen, die wie alle Szenen in Paris kameratechnisch eng gehalten sind. Matthieu will seine Freundin überreden, zu einer Einladung unter Freunden mitzukommen. Sie sträubt sich dagegen, gibt aber nach und es wird kein easy Spaziergang.

Hélène hat plötzlich den Wunsch, nach Norwegen zu fahren. Sie hat einen Kontakt übers Internet. Sie ist keinesfalls begeistert von der Idee einer Transplantation. Sie verspricht sich Linderung von Fjorden, Wasser, Luft, Natur. Es ist nicht einfach, Matthieu davon zu überzeugen, dass sie allein fahren möchte.

In Norwegen kommt Hélène in einer einfachen Fischerhütte von Mr. Bent (Bjorn Floberg) unter. Mit der Ankunft in Norwegen kommt auch das Vermissen des geliebten Mannes ins Spiel. Aber es gibt ja das Internet, die Mobiltelephonie, SMS – wenn denn die Verbindungen funktionieren.

Ab Norwegen laviert der Film trotz des enormen Flows dank der Schnittmeister Hans-Jörg Weißbrich und Sandie Bompar etwas unentschieden zwischen dem Verhältnis zum Vermieter und dem Verhältnis zum in Paris verbliebenen Partner, schlängelt sich wie ein Fjord in zerklüftetem Gebiet in Richtung eines versöhnlichen Endes, nachdem Mr. Bent noch kurz niedergestreckt werden musste wegen einer doch etwas aus dem Ärmel geschüttelten Rivalität, die Matthieu zu Bent empfindet. Der Film ist Gaspard gewidmet, Gaspard Ulliel, der anfangs dieses Jahres nach einem Skiunfall gestorben ist.

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