Medusa

Brasilien, seine Politik, seine Religion, seine Sexualität
Brasilianische Welten

Da der Mensch ein geschlechtliches Wesen ist, ist er der ewigen Versuchung durch diese ausgesetzt und seit jeher versucht er wiederum gegen diese Versuchung anzukämpfen, versucht die Geschlechtlichkeit in eine gute und eine schlechte, in eine duale Welt aufzuteilen, hie gut, da böse.

Das Thema wird gerne auch von der Kirche okkupiert, besonders in einem Land wie Brasilien, wo die Evangelikalen, christliche Freikirchen, großen Zulauf und auch politischen Einfluss haben.

Anita Rocha da Silveira schweift nun in diesem Themenbereich mit typisch brasilianischer Ikonographie herum, wandelt zwischen den Welten von Sünde und Reinheit, lässt ihre Proatogonistin Mariana (Mari Oliveira) in telenovelasouveräner Handschrift durch diese Realitäten Brasiliens wandeln, durch diese Gegensätze von Karfreitag und Karneval, von Schlange und Schlampe, durch dieses moralische Schlachtfeld, in dem der Prediger letztlich von der von ihm gegeißelten Sünde lebt, der Ordem deus e progreso, die heiligen Wächter, attraktive, junge starke Männer; militant, sexy.

Lässt Frauen zusammenkommen, die nachts mit Masken durch die düsteren Straßen ziehen auf der Suche nach Schlampen, die sie verhauen können und dann vielleicht auch retten. Lässt sie die Geschichte von Melissa erzählen, der promiskutivsten Frau der Welt. Lässt sie berichten von einem Chaos, das durch das Aufeinandertreffen von gefallenen Frauen mit Engeln entstehe, die Giganten und dass Noah inmitten dieses Chaos sei.

Der Messias sei real, heißt es für die vielen hübschen Frauen, die sich schön machen, um die Botschaft im Internet zu verkündigen und sich über die Likes freuen. Diese Botschaft kann auch in einem Song verarbeitet und verbreitet werden. Die wissen um den richtigen Pfad, sind aber immer auch geschlechtlich und also nicht gefeit gegen die entsprechenden Versuchungen.

Es gibt eine Schönheitsklinik mit interessanten Geschichten und eine Pflegeabteilung mit nicht minder interessanten Geschichten über die Koma-Patienten. Unsere Protagonistin bekommt Einblick in beides und ein Krankenpfleger ist auch nur ein Mann.

Die Frauengruppe postet ihre Selfies in ihrem Videoblog „The Call of Michele“. Auf der Schule soll Clarissa auf ein besseres Leben vorbereitet werden.

Der Film wirkt wie eine schlafwandlerische Improvisation durch seine Themen, gerne im Zwielicht, gerne mit deutlichen Farbfiltern rot, grün, blau, ab und an mit visueller Horrortendenz; dann aber auch wieder mit dem biederstmöglichen Heiratsantrag oder exzessivem Tanz, um Besessenheit, Geist, Verbrennung, unheilige Gedanken, glühende Fantasie junger Frauen. Die Regisseurin verstrampelt sich etwas in ihrem Gegenstand.

Der Film suhlt sich, ergeht sich in in Brasilien nicht ungewöhnlichen Topoi zur Beschreibung dieses ewigen menschlichen Zwiespaltes des Menschen durch seine Natur als geschlechtliches Wesen.

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