Shattered – Gefährliche Affäre

Eiskaltes Püppchen
Wenn die Bäume mal nicht in den Himmel wachsen.

Eine Frau namens Sky (Lilly Krug), möchte einen reichen Mann, Chris Decker (Cameron Moaghan), bis aufs Hemd ausziehen, in dem Sinne, dass sie ihm alles wegnehmen will, sein Leben gar.

Sky hat vermutlich einige Thriller gesehen und kennt die Muster. Und weil die Muster hinlänglich bekannt sind, dürfte es nichts schaden, sie hier auszuplaudern, denn der Film von Luis Prieto nach dem Drehbuch von Daid Loughery ist so ordentlich nach dem Thriller-Schema gemacht, dass beim Schauen die Überraschungen gänzlich ausbleiben; es ist ein Thriller nicht fürs heutige Kino, gewiss aber für den DVD-Markt: hübsches Frauenfleisch, reiches Milieu, Blut, Liebe, Lügen, falsche Identitäten, Messer und andere Kampfgegenstände, moderne Haus- und Banksafetechnik mit Gesichts- und Fingerabdruckerkennung und dann noch der alte Hitchock mit dem Blick durch das Fenster – und Fernrohr, pardon, es ist nicht Hitchcock, es ist John Malkovich als Ronald, der Wohnungsvermieter der Wohnung, von der aus der reiche Chris ganz genau – wenn auch filmtechnisch gesehen über Ecken – beobachtet wird, seine Gewohnheiten, sein Personal.

Die Frau von Chris, der sein Geld mit Erfindungen bezüglich des Internets gemacht und sich mit 50 in seinen mehrkörperigen Bungalow in den Bergen von Montana zurückgezogen hat, seine Frau Jamie (Sasha Luss) will definitiv die Scheidung. Er ist also allein. Das hat Sky herausgefunden, nachdem sie sich an Lisa (Ash Santos) herangemacht hat, weil deren ebenerdige Wohnung ideal schien für die Positionierung des Fernrohrs, das gezielt zwischen Baumwipfeln freie Blickbahnen findet.

Dummerweise vergisst Sky vor ihrem Coup beim Verwischen der Spuren eben dieses Requisit, vielleicht ist sie doch nicht so intelligent wie sie gar nicht aussieht, so dass der clevere Ronald, eben Malkovich, dieses in der Wohnung entedeckt und den Coup checkt und auch sein Stück vom Kuchen abschneiden will mit einem Picasso, der später von einem Säbel durchbohrt wird, auweia, das tut weh, so ein Umgang mit großer Kunst. Die meldet sich dafür ab und an mit bekannten Melodien aus der klassischen Musik, auch hier nichts Neues.

Spätestens beim Abspann macht es Klick, denn eine der Produzentinnen ist Veronika Ferres, die hier augenscheinlich für ihre Tochter, Lilly Krug, ein Demonstrationsvehikel herstellen will und klar, John Malkovich ist ein Anknüpfungspunkt von Veronika Ferres zum internationalen Filmbusiness. Das erklärt vielleicht auch, warum der Thriller wohl nicht primär für die Geschichte des Thrillers oder für Filmpreise gedacht ist, warum er für ein heutiges Kino zu altbacken und zu brav wirkt.

Ketzerische Frage: was, wenn eine Mutter Dinge in ihr Kind hineinprojizierte, die gar nicht da sind, wenn eine Mutter ihr Kind zum Spiegel ihrer selbst machen will?

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