Poppy Field

Rumänischer Sozio-Realismus
oder
von der konfliktbefeuernden Urgewalt von Tabus und Vorurteilen

Schwulität ist trotz aller LGTBQ-Emanzipations- und Befreiungsbewegungen, trotz aller gesetzlicher Reformen bis zur Heirat für alle in vielen Staaten offenbar für viele Menschen nach wie vor etwas Bedrohliches, Unanständiges, Schmutziges, das verboten und bestraft gehört.

Das schält der Film von Eugen Jebeleanu nach dem Drehbuch von Ioana Moraru minutiös heraus am Blick in einen Tag im Leben des Bukarester Polizisten Cristi (Conrad Mericoffer). Er ist schwul, macht mindestens solche Erfahrungen. Behält die aber für sich. Denn auch bei der Polizei, also der Jandarmaria, bei der er arbeitet, dominiert das Vorurteil gegenüber Schwulen und Leseben, Tunten oder wie immer sie verächtlich genannt werden; Mitleid mit ihnen?

Fehlanzeige. Das wird Cristi im Laufe des Tages in enorme Konflikte stürzen, die er alles andere als cool bewältigt. Er bekommt Besuch von seinem französischen Freund Hadi (Radouan Leflahi). Der legt auf dem Weg von Paris nach Hamburg einen Zwischenstopp in Rumänien ein, möchte ein sexy Wochenende mit Cristi verbringen. Er ist sex- und liebshungrig.

Cristi verhält sich zögerlich; da platzt auch noch seine Schwester (Cendana Trifan) ins Tête-à-Tête der beiden hinein; sie blickt durch beim Bruder mit seinen häufig wechselnden Freundinnen und seiner aktuellen Schwulen-Phase.

Aber Cristi muss zum Dienst. Der Job bringt ihn vollends in die Bredouille; da erspart ihm das Drehbuch rein gar nichts; in der Polizei gilt er als unverdächtiger Hetero; die Kollegen wundern sich nur, wie oft er die Freundin wechselt.

Es gibt einen Einsatz in einem Kino, in dem ein Lesbenfilm gezeigt wurde. Antischwulen-Aktivisten haben die Vorstellung unterbrochen, die Bühne gestürmt mit ihren Parolen. Nicht genug der Probleme für Christi. Ein junger Mann, mit dem er ganz offensichtlich eine Beziehung unterhalten hat, ist im Publikum, spricht ihn an. Cristi verleugnet die Geschichte, tendiert zu unüberlegten Abwehrhandlungen.

Dabei kommt noch ein anderes Tabu zum Tragen: dass die Polizei nie Fehler begeht, nie Gewalt anwendet, wo nicht nötig und dass die Kollegen sich decken.

Der Film verfolgt die Konflitklinien minutiös, mit langen Reality-Einstellungen in der Masse und heftigen Diskussionen und später mit differenzierten Einzelgesprächen zwischen Cristi und seinen Kollegen, die seinen Konflikt allerdings in keiner Weise beruhigen oder gar lösen können.

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