Guillermo del Toro’s Pinocchio

Zwischen zwei Kiefern-Zapfen

– perfekten – öffnet Guillermo del Toro (Nightmare Alley, Crimson Peak, The Shape of Water – Das Flüstern des Wassers) den Blick auf das massive Geschichtenerzähl- und Bebilderungsarsenal Hollywoods und füttert damit nicht nur den biblischen Walfisch.

Gleichzeitig zeigt Guillermo del Toro auch, wie frei Hollywood mit Stoffen umgeht und diese nach seiner Norm zurechtmodelt.

Die Genese der Holzfigur mit der Nase, die beim Lügen wächst, wird hier in eine traurig-rührende Familiengeschichte eingebettet. Gepetto, der Holzschnitzer, hat seinen Sohn Carlo verloren. Auf dessen Grab pflanzt er eine Kiefer aus jenem Kieferzapfen, den Carlo ihm gebracht hat. Wie der Baum groß ist, fällt Gepetto diesen, ein harter Akt, und schnitzt daraus die Holzfigur.

Im Holz der Kiefer hat sich die Erzählerfigur Sebastian J. Grille eingenistet, ein vagabundierender Romancier, je nach Ansicht ist er eine Grille oder eine Kakerlake, egal, auf ihn kann auch ein großer Holzhammer fallen, er wird nur etwas dünner dadurch.

Die Geschichte wird in der Zeit des Zweiten Weltkrieges angesiedelt. Ein Bombenabwurf im Sinne des Erleichterung von Ballast trifft Carlo in der Kirche, tötet diesen und beschädigt auch die Christusfigur, die Gepetto gerade installiert hat.

Später, wie Pinocchio beim Zirkus mitreist, um die Schulden seines Vaters zu begleichen, kommt Mussolini vor und will eine Extravorstellung. Den Auftritt benutzt Pinocchio, den Führer lächerlich zu machen. Nicht gut für Pinocchio. Aber er hat hier erstaunlicherweise wie eine Katze mehrere Leben und wenn er stirbt, landet er in einer Gruft, hollywoollike selbstverständlich, und kann, wenn die Sanduhr abgelaufen ist, wieder zurückkehren ins Leben.

Eine schräge Figur ist der junge Kerzendocht mit seiner Dochtfrisur, das sagt schon alles über ihn, er ist der Nachwuchs des Faschistenoffiziers Podesta. Und wer Nightmare Alley gesehen hat, der weiß, wie ausladend Guillermo del Toro einen Zirkus zu schildern versteht.

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