Grump – Auf der Suche nach dem Escort

Vom Nutzen alter Männer

Die jungen Männer bauen Scheiße und die alten Männer sinnieren darüber nach. Auf diese Quintessenz kann selbstverständlich dieser Film von Mika Kaurismäki nach dem Drehbuch von Daniela Hakkulinen nach dem Roman von Tuomas Kyrö nicht heruntergerchnet werden. Dazu beobachtet Kaurismäki die Männer aller Lebenslagen viel zu genau und über mehrere Generationen.

Wenn man auf diesen möglichen Zusammenhang eingehen möchte, so muss notgedrungenermaßen gespoilert werden. Wer also sich von Kaurismäki gemäß seiner Erzählweise faszinieren und überraschen lassen will, sollte besser nicht weiterlesen.

Die Brüder Tamaro (Kari Väänänen) und Grump (Heikki Kinnunen) sind alt, haben jahrzehntelang nichts mehr von einander gehört, der eine pflegt seinen Acker in Finnland, der andere führt in Deutschland eine Campingwagenexistenz. Sie beide haben keine guten Erinnerungen an ihren Vater. Sie hatten Angst vor dessen Schlägen und wurden selber Väter, die keinen Deut besser waren.

Grump wiederum hat zwei Söhne, von denen er nichts hört. Die selbst sind auch keine vorbidlichen Väter. Hessu (Iikka Forss) hat gerade mit eigenwilligen Spekulationen seinen Job bei der Bank verloren. Ein Frühstücksszene illustriert sein Vatertum: die drei Kinder hocken stur hinter ihren Handys – obwohl Papa auf dem Tisch doch eine „Handygarage“ hingestellt hat. Eine Kommunikation am Familientisch findet nicht statt und auch nicht zwischen den Generationen.

Als dramaturgisches Vehikel, um die Verhältnisse aus der Erstarrung zu lösen, setzt Kaurismäki die Autonarretei von Grump ein. Der fährt in einem Moment der Unachtsamkeit seinen geliebten roten Ford Escort in den Graben. Er will nun unter allen Umständen einen Ersatz besorgen. Den findet er übers Internet in Deutschland.

Grump wird eine Reise machen, um das Auto zu holen und durch die Abenteuer dabei wird ihm die Familie wieder präsent, während die Zuhausgebliebenen sich auf den verschwundenen Vater besinnen.

Ob es dabei wirklich um den Nutzen alter Männer geht, sei dahingestellt, denn ihr Leben kreist zuallererst doch um sich selbst; erst in der Not werden familiäre Beziehungen virulent. Dabei könnte man doch auch mal nett sein, so wunderbar knurrig-kauzig die Figuren gezeichnet sind. Und wie sprechen die Finnen Magdeburg aus? Mag-e-de-burg. Wenn sowas möglich ist, so können auch alte Männer nicht sinnlos sein. Denn keiner macht so schöne Filme über sie wie Kaurismäki; allein deswegen sind sie schon nicht sinnlos.

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