König hört auf

Ein Sohn sieht seinen Vater

Lothar König ist bekannt geworden als engagierter Jugendpfarrer in Jena, der sich hartnäckig dem Rechtsextremismus in den Weg stellt.

2019 ist der Zeitpunkt des Beginns seines Ruhestandes. Sein Sohn Tilman ist Filmemacher und hat den Vater in der Zeit vor und nach Beginn des Ruhestandes begleitet. Er wirft einen einerseits zärtlichen, andererseits durchaus auch verwunderten Blick auf diesen bulligen, bärtigen Mann, den nicht der Bluff mit der Kleidung interessiert, der keine Socken trägt, der ein starker Raucher ist und den die Hüfte schmerzen.

Ein nicht klein zu kriegender Idealist und Demonstrant. Als er jung war und weil er den Mund aufgemacht hat, war ihm in der DDR eine normale berufliche Laufbahn verwehrt. Theologie war der Ausweg und wie er im Gespräch bei einer Autofahrt dem Sohn erzählt, ist er nicht unbedingt von der Kirche, aber immer mehr von der Bibel überzeugt, deren Inhalt er predigt und auch praktiziert. Dass die Menschen nicht auf die äußeren Unterschiede achten sollen. Schon gar kein Verständnis hat er für die Rechtsextremisten, für die Morde der NSU.

König macht sich keine Gedanken, wie er den Ruhestand angehen soll. Er wird aus seiner Dienstwohnung ausziehen müssen. Er mietet sich in einem Plattenbau-Hochhaus ein. Aber sein Engagement bleibt, er tritt bei Podiumsdiskussionen auf, läuft ein Stück bei Demos mit und organisiert am Schluss in einem Dorf im Hartz ein Festival. Relaxen tut er auf einer Matratze auf einer Baumhütte.

Der Filmemacher und Pfarrerssohn verhehlt auch die zehrende Seite des beruflichen Idealismus dieser Jugendarbeit nicht, je älter Lothar König wird, desto schwerer fällt es ihm, sei es Fußball zu spielen oder eine Rüstzeit zu Pfingsten als Zeltlager zu organisieren. Man wünschte ihm schnell nach der Pensionierung eine Hüft-OP.

Was wäre ein Land wie Deutschland ohne solche Menschen, die nicht kleinkariert und peinlich auf ihre Karriere achten, die nicht auf Gewinnmaximierung, die nicht auf ihr Image achten, die nicht auf Posten scharf sind wie unser Bundespräsident, Menschen, denen die geistige Welt, das geistige Wohlgefühl, die menschliche Gerechtigkeit, das wahrlich wichtigste sind? Das evangelische Pfarrhaus als Hort freier Geistigkeit ist das Thema von Büchern; wobei der Film von Tilman König ganz darauf verzichtet, zu zeigen, wie und ob seine Familie den Pfarrhausstatus zelebrierte.

König zeichnet auch eine recht ungenierte Sprache aus, gar in der Kirche kann ihm das Wort Scheiße rausrutschen und Jena ist für ihn ein Kacknest.

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