Einfach mal was Schönes

Einfach mal was Schönes

ist den Frauen im Weltbild von Karoline Herfurth, die mit Monika Fäßler und Tim Hebborn auch das Drehbuch geschrieben hat, nicht vergönnt.

Frauen sind bemitleidenswerte Geschöpfe, eine Partnerschaft mit einem Mann kommt in diesem Weltbild nicht vor, allenfalls eine Fahrt in zwei Kutschen nebeneinanderher.

Männer sind eher unerwünschte, störende Notwendigkeiten; sie sind vor allem eine Enttäuschung. Schon der Vater von Karoline, im Film heißt sie anders, der heiratet Jungfleisch und aus Rache lässt die sitzengelassene Gemahlin in der Hochzeit die Sau raus, verdirbt die Hochzeit.

Was Karoline Herfurth für die Leinwand produziert, scheint ein Erfolgsrezept zu sein. Sich entlang an der Oberfläche von Problemen der alltäglichen Lebensbewältigung hangeln, entlang der Organisationsprobleme, wie das, wie sich eine Frau eine Schwangerschaft organisieren kann ohne Mann. Da muss dann so eine Spritze vorkommen und der Saft letztlich jemandem ins Gesicht gespritzt werden.

Eine Abtreibung kommt vor, weil der Depp von Mann noch nicht reif ist für Kinder, während bei der Frau die biologische Uhr tickt. Es kommen die Bekanntschaftsportale vor, Portale für Samenspender.

Karoline hat zwei Schwestern, die sind auch nicht vom Glück verfolgt, und wenn das Glück in Form einer Heirat doch Einzug haben soll, dann bemüht, altes dramaturgisches Mittel, das Drehbuch einen Sturm herbei, der dem Benimm und der schönen Form einer Hochzeit so richtig eins reinhaut.

Das ist offenbar auch Teil des Erfolgsrezeptes, dass so ein Film sich immer entlang der Benimmgrenze bewegt, sie auch überschreitet, nie aber den richtigen Trash wagt.

Irgendwo müssen die Gesichter, besonders die der Frauen, ja immer noch fein geschminkt bleiben; was bedeutet, dass sie krampfhaft attraktiv bleiben wollen, wobei sich fragt, für wen eigentlich, wenn doch eine jede ihre Kutsche selber steuern will.

Dieses irritierende, orientierungslose Selbstporträt der Frau scheint andererseits einen Nerv der Zeit zu treffen, sonst würden solche Filme nicht geschaut werden; vermutlich vornehmlich von Frauen.

Die Männer jedenfalls können hier keine Heldenvorbilder finden; sie sind aus dem Castertopf „hübsch“ aber „uninteressant“ gefischt.

Es scheint auch das eine Zeit- und Erfolgserscheinung zu sein: der Kuddelmuddelfilm, der um einen groben Grundplot herum ein Kuddelmuddel an Alltagsbewältigungsszenen schreibt, die dann mit einem Kuddelmuddelcast auf die Leinwand gebracht werden.

Hier also die grundlegende Frauenproblematik von Karoline einerseits und verwoben mit dem Familiendrama des Frauenfrischfleisches für den Vater und außerdem einer Mutter, die sich umsomehr an die offenbar lebenshilfsloseste ihrer Tochter klettet und ständig versucht, in die Wohnung zu gelangen und wenn sie nicht reinkommt, vor der Tür Zeter und Mordio veranstaltet.

Dann wird noch das Behindertenthema eingebaut, das Thema einer kleinen Radiostation – etwas verwunderlich heute in Zeiten von Youtube und Podcasts – und Entspannungsübungen oder Familienaufstellungen und Versöhnungsrituale – Kuddelmuddel eben, ein Bisschen von alles, alles willkommen, solange es nur die Oberfläche und den Zeitgeist streift. Es sieht aus, als ob hinter allem eine oberspießige Messlatte die Regie führt. Oder will es gar ein Lebenshilfefilm sein?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.