Die goldenen Jahre

200 Frauen

hat Julian (Martin Vischer) über Tinder schon gehabt, ok, das ist jetzt ein Spoiler, aber ein ganz kleiner, es ist eher eine hübsche Fußnote zum nicht mehr stattfindenden Sexleben seiner Eltern.

Im Film geht es um ein ähnliches Problem wie in Ein großes Versprechen; hier allerdings nicht mit unheilbarer Krankheit, eher mit glimpflichen Panikattacken.

Eine Mittelmeer-Kreuzfahrt auf der Costa Smeralda soll die Ehe von Alice (Esther Gemsch) und Peter (Stefan Kurt) wieder in Schwung bringen. Bis es so weit ist, werden eigens agierende, andere dramaturgische Stränge gewoben.

Die Freundin von Alice, Magali (Elivra Plüsse), bricht bei einer Bergwanderung tot zusammen und flüstert Alice etwas zu, was ein ganz bestimmtes Licht auf die Ehe mit Heinz (Ueli Jäggi) wirft, der jetzt zum Witwer wird – und auf der Kreuzfahrt zum dritten Rad am Wagen.

Peter ist eh mehr am Radfahren oder am Laufband als am – goldenen – Eheglück interessiert. Auf dem Schiff ist Michi (Gundi Ellert), eine Frau, die sich für ein Sololeben entschieden hat und emanzipierenden Einfluss auf Alice nimmt, so dass diese sich für eine Auszeit entscheidet.

Alice bleibt in Marseille zurück, macht in Frankreich Erfahrungen, die andere Menschen vielleicht schon in ihrer Jugend machen, lernt andere Lebensweisen kennen.

Inzwischen haben sich ihr Mann und Heinz zu einer WG zuhause arrangiert. Alice kehrt zurück. Jetzt muss eine Lösung gefunden werden.

Petra Volpe (Die göttliche Ordnung) tastet sich mit ihrem Drehbuch in lebenspraktischer Nähe an Lebensentwürfe heran, die im Vergleich zur bürgerlichen Ehe doch einen gewissen Mut erfordern und lange noch keine Selbstverständlichkeit sind.

Barbara Kulcsar inszeniert das ordentlich ohne große Kinovision, aber schön die Entwicklung der Dinge im Auge behaltend. Der Film ist im Schweizer Dialekt gedreht und mit deutschen Untertiteln versehen; Dialekt wertet Kino einmal mehr auf.

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