The Drover’s Wife – Die Legende von Molly Johnson

Viehtreiber,

das ist die deutsche Übersetzung für „Drover“. Die Kolonialisten waren auch eine Art Viehtreiber, so wie sie indigene Völker und Mischlinge behandelt haben.

Im Film von Leah Purcell nach der Geschichte von Henry Lawson geht es um die Frau des Viehtreibers. Er hat sie grob behandelt, gewalttätig. Mit Sergeant Nate Klintoff (Sam Reid) aus London kommt dessen Frau Louisa (Jessica de Gouw) in die Outbacks. Sie schreibt in einer frühen Form von Zeitung, der Film spielt im späten 19. Jahrhundert, gegen Gewalt in der Ehe an. Das ist das eine aktuelle Thema im Film.

Das andere ist der Kolonialismus. Die eindrückliche Hauptrolle der Molly Johnson spielt die Autorin, Produzentin und Regisseurin des Filmes selbst. Molly ist Mischling. Sie verleiht dem Need zur Aufarbeitung des kolonialistischen Teils der britischen Geschichte eminenten Nachdruck; daraus bezieht der Film eine unwiderstehlich, urwüchsige Kraft. Der neue König von England sollte sich den Film ansehen.

Erst wirkt der Film wie Einsamkeitsfantasien in grandios australischer Landschaft, bis sich das Thema mit aller Gewalt in den Film drängt. Die Protagonistin ist ein Charakterkaliber, eine gefürchtete Schützin, hat selbst Gewalt erlebt, ist Mischling, hat nebst Totgeburten eine kleine Schar von Kindern.

Soll man sich automatisch krank fühlen nach Besichtigung dieses Filmes, der im australischen Outback spielt, riesig die Einsamkeit der Menschen, riesig die großartige Szenerie aus Staub, Buschland und Wald, die die Einsamkeit und Verschlossenheit der Menschen extrem herausstellt; Bilder um eine von der Natur und vom Leben verhärtete Frauenfigur.

Hier lässt man eine Hochschwangere allein zurück in ihrer Behausung; die Frau ist eine gefürchtete Schützin. Nein, es gibt nebst dem Trauma, dem Alptraum von Männergewalt und Kolonialismus auch das Menschliche, die Wärme, das Verständnis, das Geschichten erfinden und erzählen kann, die Lehre vom anständigen Mann, vom Töten; aber sie kommt vom Outcast, von dem, den die Polizei sucht, vom Schwarzen, vom Aborigines, vom Verfolgten, Yadaka (Rob Collins) – und gebildet dazu.

Die Lehre geht an den 12-jährigen Danny (Malachi Dower-Roberts). Vater ist mit den Schafen monatelang unterwegs. Und auch nicht nur die Einsamkeit. Erstaunlich wieviele Menschen sich plötzlich im Flecken Everton versammeln, es gibt da Huren, Taschendiebe und den jungen Sergeant frisch aus London mit seiner kränkelnden, schiftstellerambitionierten Frau. Er ist schlagkräftig, das wirkt hier mehr als jedes Argument.

Hier wird noch Rassismus im Namen der britischen Königin praktiziert; Mischlinge sind schlecht angesehen. Wer selber ein Mischling ist, will das lieber tief im Unterbewussten vergraben wissen, es soll nie zur Sprache, nie an den Tag kommen. Es ist zu schmerzhaft.

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