Robin Bank

Widerstand gegen den Wirtschaftskapitalismus aus dem Untergrund,

das ist der Stand heute der Aktivitäten des zur Fahndung ausgeschriebenen Enric Duran; was genau diese Aktivitäten sind, das bleibt wolkig. Anna Giralt Gris hat den Aktivisten im Untergrund aufgespürt und ihn, das darf sicher gespoilert werden, als Höhepunkt ihrer Recherchedoku tatsächlich an einem geheimen Ort getroffen.

Die Begründung für ihren Film liefert sie selbst in einem Voice-Over-Text; seit Jahren filme sie Aktivisten und finde es zunehmend schwieriger, die Grenze zwischen Legalität und Legitimität zu ziehen. Sie selbst ist ähnlich wie ihr Protagonist, physischer Gewalt gegenüber skeptisch; sie geht lieber nach den Demos mit ihrer Kamera hin, so auch 2019, wie Barcelona zum Schlachtfeld wird. Sie fasziniert Enric Duran, der als Robin Hood der Banken gilt.

Seinen Ruf begründet er mit einer Aktion, bei der er sich eine halbe Million Euro von Banken als Kredit spendieren lässt, die zurückzuzahlen er nie im Sinne hatte. Das Geld verteilt er an soziale Bewegungen. Er will mit dem Skandal Aufmerksamkeit für das Fehlverhalten der Banken schaffen, die mit billigen Kreditversprechen und laschen Kontrollen, mit schlechter Info über ihre Politik, die Menschen in hohe Verschuldung hineinlocken, die sie in den Ruin führen kann. Der Fall wird sogar vor einem Zivilgericht verhandelt und die Argumente sind auf Durans Seite.

Anna Giralt Gris schildert ihre Geschichte anfangs in der Art einer Homestory, wie sie versucht, an den Untergetauchten heranzukommen. Das fängt mit einem Besuch bei seiner Mutter an, die das unberührte Zimmer ihres Sohnes zeigt; Zeitungsmaterial, Fotos. Hier ist zu erfahren, dass Enric überdurchschnittlich intelligent ist, leicht mit Zahlen umgeht, dass ihn die Geldwirtschaft fasziniert. Dass er durch diese Beschäftigung und üble Machenschaften der Banken zum Aktivisten wird; der aber gerne am Rande steht; eine gewisse Autisten-Eigenschaft scheint dafür verantwortlich.

Es gibt Archivmaterial von Demos und Widerstand, es gibt Talking Heads aus Durans Umgebung, eine frühere Freundin, der Anwalt, ein anderer Aktivist und zwischendrin schmückt die Dokumentaristin ihren Film mit hübsch dekorativen Illustrationen und Grafiken.

Man darf also gespannt sein, ob seine aktuellen – noch geheimen – Aktivitäten demnächst schon das Licht der Medien erblicken …

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