The Survivor (DVD)

Vom Überlebensstachel der Liebe

Klassische Ausgangslage für eine große Filmerzählung: ein Mann, Harry Haft (Ben Foster), geht am Strand, Sonnenhut. Sofort wird klar, er ist der Protagonist und er hat eine ganz besondere Geschichte, die hier erzählt werden wird. Sie fußt im Jahr 1943.

Harry ist verliebt in Lea. Die beiden spazieren, sie tragen Judensterne; Soldaten reißen sie auseinander. Beide landen im KZ, in verschiedenen KZs. Sie haben keinen Kontakt mehr. Aber der Glaube an die Liebe und dass sie sich wiedersehen würden, lässt sie überleben.

Es gibt einen Zeitsprung nach 1949 an die amerikanische Ostküste. Hertzke, wie Harry auch genannt wird, hat überlebt. Er schlägt sich durch als Boxer. Die Traumata des KZ verfolgen ihn. Er kämpft unstet.

Der Reporter Emory Anderson (Peter Sarsgaard) möchte einen Bericht über ihn machen. Haft möchte die Geschichten ruhen lassen. Aber der Stachel der Liebe, der unvergessenen, dafür würde er sogar in Kauf nehmen, berühmt zu werden, denn er ist überzeugt, dass Lea noch lebt und er hofft, sie würde vielleicht auf ihn aufmerksam werden.

Die Geschichte, die Harry im KZ erlebt hat, fügt dem Genre der KZ-Verarbeitungsfilme eine neue, besonders perfide Variante hinzu.

Filmisch werden die Blicke ins KZ, besonders, wenn es um die Entsorgung der nackten Leichen geht, in verwehten Rauch gehüllt. Im KZ entdeckt SS-Obersturmführer Schneider (Billy Magnussen) das Boxtalent von Harry. Er soll für ihn gegen andere Gefangene boxen, wenn die Offiziere Kämpfe und Wetten organisieren. Haft wird Schneiders Lieblingsboxer bei den Kämpfen, bei denen nur einer überlebt. Haft wird sogar verwöhnt, denn Schneider ist am Überleben seines Erfolgsboxers interessiert; er verdient nicht schlecht an ihm.

Haft boxt um sein Leben. Aber wie soll ein Mensch das alles verdauen, wie soll er je wieder ein normales Leben führen, falls er überlebt? Wie wird er mit dem Trauma umgehen?

Barry Levinson erzählt diese Geschichte, die von Justine Juel Gillmer nach den Erinnerungen von Alan Scott Haft mit großem Kinoatem und vornehmer Zurückhaltung. Die traumatischen KZ-Sequenzen sind in Schwarz-Weiß gehalten, die Nachkriegs-Ostküstenzeit, es gibt dann noch einen Zeitsprung zu 1963, in diesem zurückhaltenden Color-Cachet, wie exzellentes Studiokino es meisterlich beherrscht.

Schon 1949 begegnet Haft Miriam (Vicky Krieps). Sie arbeitet bei der jüdischen Personensuchstelle. Hier wird sich ein schöner Storystrang entwickeln, nicht allzu romantisch, aber in Richtung Familie, in Richtung eines zumindest äußerlich intakten, jüdischen Familienlebens; auch wenn die scheußlichen Dämonen Haft nie loslassen werden und es auch nicht leicht sein wird, den eigenen Kindern davon zu erzählen.

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