Amsterdam

Finest American Movie-Craftmanship

Es geht um die Rettung der amerikanischen Constitution in diesem Film von David O. Russell (Silver Linings – Wenn du mir, dann ich dir, American Hustle). Also eine topaktuelle Angelegenheit angesichts des von Trump initiierten, dann aber misslungenen Sturmes auf das Kapitol nach der letzten Präsidentenwahl.

Aber die Leute werden vermutlich eher nicht die Kinos stürmen, jedenfalls ist zu hören, dass sie es im Amerika nicht getan haben. Es muss ergänzt werden, dass dieses Thema des Filmes auch erst allmählich sich herauskristallisiert.

Der Film beginnt mit einer Rückblende auf den ersten Weltkrieg, im Jahre 1933. Es gab in Amerika Industrielle, die mit Hitler und Mussolini liebäugelten. Das wird erst ganz spät im Film an den Tag kommen. Auch spielen diese Figuren vorher nur eine kleine Rolle.

Der Film, der wie ein großartiger Neo-Noir und mit ständig untersichtiger Kamera, die den Impetus des Artifiziellen betont, anfängt, beschäftigt sich vorerst mit Gesichtschirurgie. Der Gesichtschirurg Burt Berendsen (Christian Bale) hat selber im ersten Weltkrieg schlimme Verletzungen im Gesicht erlitten; er hat ein Glasauge, das ihm noch öfter bei Rangeleien in diesem sehr schauspielerphysischen Film herausfallen wird. Berendsen kann auch gröbere Verletzungen im Gesicht reparieren.

Berendsens Kumpel und Assistent ist Harold Woodman (John David Washington), zu dem Duo stößt Valerie Voze (Margot Robbie) mit der Bitte um Autopsie der Leiche ihres Vaters, der nach einer Europareise gestorben ist.

Allein dieses Trio ist ein traumhaftes Schauspielertrio, ein Bijoux; und der übrige Cast bis hin zu Robert De Niro als der wahre Patriot, als General Gil Dillenbeck, steht dem in nichts nach.

Schwierig für die Rezeption dürfte sein, dass es ein Film ist, der ständig aus ähnlicher Nähe fotografiert ist und aus Untersicht und dass pausenlos Dialoge stattfinden. Die binden zwar die Aufmerksamkeit, lassen aber auch schnell den gröberen Faden der Geschichte aus dem Auge verlieren. Die Geschichte oder die Erzählung macht keinen Unterschied in Wertigkeiten der Szenen. Es macht vielleicht die Überfülle an exzellent inszenierten Szenen die Übersicht schwer.

Der Haupteindrduck des Filmes wird geprägt von Details, von der irre physischen Präsenz der Darsteller, von der konsequent tiefen Kamera, die diesen Stilwillen zum Film-Noir, ein NewYork-Gangsta-Noir oder ein New-York-Neo-Noir ausdrückt, und gleichzeitig die endlose Suada der Dialoge. Es gibt wenige, wunderschöne Musikeinlagen, vokal wie instrumental.

Und dann spielt immer wieder das Thema Vogelbeobachtung eine Rolle, die nicht leicht mit dem Thema der Bewahrung der Constitution in Verbindung gebracht werden kann oder die Geschichte vom Kuckuck.

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