Luna und die Gerechtigkeit – Syrische Staatsfolter vor Gericht in Deutschland (ARD, Mittwoch, 26. Oktober 2022, 22.50 Uhr)

Acht ARD-Redakteure und das Weltrechtsprinzip

Es ist sicher eine der vornehmsten und der Kernaufgaben eines öffentlich-rechtlichen Rundfunkes in einem demokratischen Staat, just über Gerechtigkeit zu berichten und zu informieren, also auch über das junge Weltrechtsprinzip, dass Verbrechen wider die Menschlichkeit auch in einem Land vor Gericht gebracht werden dürfen, in dem die Tat gar nicht geschehen ist.

So haben denn gleich acht Redakteure der ARD (SWR: Simone Reuter, Bernd Seidl, BR: Petra Felber, Martin Kowalczyk, MDR: Thomas Beyer, Dirk Neuhoff, RBB: Rolf Bergmann, WDR: Jutta Krug) all ihren Mut zugsammengenommen, um eine Dokumentation über eine der ersten Prozesse dieser Art gegen das verbrecherische Assad-Regime in Syrien vor dem Oberlandgericht in Koblenz zu berichten.

Die Redakteure haben sich allerdings noch nicht so aus dem Fenster getraut, dass sie eine Dokumentation für das Hauptprogramm bestellt hätten. Der Film von Adithya Sambamurthy, die mit Luna Watfa auch das Drehbuch geschrieben hat, wird erst eine Stunde vor Mitternacht ausgestrahlt, Gerechtigkeit, ein Nischenthema für die Öffentlich-Rechtlichen?

Immerhin, dass überhaupt darüber berichtet wird, dafür zahle ich gerne meinen Obulus verbunden mit der Wiederholung der Bemerkung, dass die Finanzierung über die Haushaltzwangsgebühr nach Professor Paul Kirchhof demokratisch unfair ist und zu Lasten einkommensschwacher Haushalte geht – ein Makel in der Gerechtigkeit des Landes, der die Reichen einmal mehr massiv entlastet.

Der Film selbst ist eine Mischung aus Porträt der syrischen Journalistin Luna Watfa, die selbst im syrischen Folterknast gesessen hat, nach Freikauf durch ihre Familie fliehen konnte und jetzt in Koblenz lebt. Über Luna wird die Dokumentation auch zum Bericht über den Prozess, den sie begleitend verfolgt und darüber schreibt.

Es ist eine Dokumentation, die innerhalb der Gemarkung des Prozesses bleibt; die Verhandlungen selbst dürfen nicht gefilmt werden; da sind die Zeichner gefragt – die Voice-Over-Stimmen wirken leider etwas schläfrig bis desinteressiert. Es kommen Opfer zu Wort, Anwälte, Nebenkläger. Es gibt ganz diskret einige der schauderhaften Folterknastfotos zu sehen und als Zwischenschnitte dröge Städtebilder von Koblenz und Köln.

Nächste Stufe sollte sein eine großes Feature über dieses Thema zur Hauptsendezeit, aufbereitet für eine breite Öffentlichkeit und hoffentlich mit Statements auch von höchsten Repräsentanten des Staates.

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