Der Bauer und der Bobo

Ein Casus

Eine Kuh trampelt in Krakau in der Steiermark eine Frau tot, die mit Hund und Kind auf einer Kuhweid zugange ist. Die Kuh hat den Hund gemeint. Ein Gericht verurteilt den Bauern zu Schadenersatzzahlung. Ein Bobo aus Wien befürwortet in der kecken Zeitschrift Falter das Urteil.

Jetzt bekommt es der Bobo, Florian Klenk, mit dem betroffenen Bauern, Christian Bachler, zu tun. Der ist Internetaktivist für das Bauerntum und lädt den Bob, also den schnöseligen, ahnungslosen Stadtmenschen, aufs Land ein, eine Woche lang einen Blick hinter die Kulissen des Bauertums zu werfen. Daraus ist ein Buch entstanden und Kurt Langbein hat es zu diesem Dokumentarfilm, der einer hochspannenden Reportage gleichkommt, weiterentwickelt.

Florian Zenk nimmt die Herausforderung an und wird einen Menschen kennenlernen, zu dem der Begriff Wutbauer nur eine Teilwahrheit ausdrückt. Den hat er bekommen, weil er die Wut der Bauern über gesellschaftliche Benachteiligung lautstark und mit prägnanten Worten in die Internetwelt hinausjagt. Auch seine T-Shirts sind voll mit Slogans: Muviehstar, AckerDemiker mit Niveau.

Mit Humor wird sich der Bauer seine Prominenz am Ende der Geschichte als K-Promi kennzeichnen.

Aber Bachler ist mehr: er ist ein Kopf, ein Forschender, ein Gedankenmacher. Er kehrt zurück zu einer Landwirtschaft, wie sie tausende von Jahren in der Berggegend funktioniert hat, holt Yaks hinzu, die wenig Arbeit machen, keine Ställe brauchen und vor der Verbuschung schützen und somit Landschaftspflege betreiben; er pflegt das Alpenschwein, das langsamer wächst, aber vorn Pflug ist, hinten Düngerstreuer; er kehrt zur Artenvielfalt zurück, kehrt der Monokultur den Rücken zu, klimaresiliente Grasbewirtschaftung.

Der Film gibt einen faszinierenden Einblick frei dafür, wie der Mensch der Natur möglichst ohne sein Zutun mehr Blühen und Gedeihen entlockt. Auch das Vermarktungspbroblem versucht der Bauer selber zu lösen mit Internetaktivität.

Die Bank spielt einen bösen Part, sie will den Hof wegen Überschuldung viel zu günstig versteigern (da ist eine Bemerkung zu hören, dass es auch um Interesse an Jagdrechten gehe). Die ferne EU will mit teils absurden Vorschriften eingreifen mit starren Definitionen, was ein Wald und was eine Weide sei.

Illustriert wird die Reportage mit einem Gegenbesuch in Wien, da ist der Prater für den Wutbauern spannender als die Redaktionsräume, es gibt eine kleine, sensationelle Glücksgeschichte und es gibt wenige, wohldosierte Folkloreeinsprengsel und die Überraschung über die Herkunft des Reporters.

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