Moonage Daydream

Die volle Dröhnung

Kino, das wie Starkregen auf einen einprasselt.

David Bowie und garantiert keine Wickipedia-Vollständigkeit oder Trockenheit des Chronologisch-Summarischen.

Was Brett Morgan (Cobain – Montage of Heck, Jane) aus Archivmaterial bearbeitet und zusammenmontiert hat, ist ein Event zu nennen, pausenlos, atemlos, nur ganz kurz mal Schwarzbild in wenigen Momenten, aber die sind mit Nachhall gefüllt.

Ein Vollwaschgang mit dem eklektisch-generalistischen Künstler, Bowie war auch Maler, Schreiber, Performer und nicht nur Sänger, so dass man sich nach über zwei Stunden Ereignis im Kinosaal der großartigen Arri-Astor-Lounge wie befreit vorkommt, wenn man die ruhige Straße eines Sommerabens an der Kunstakademie vorbei in Richtung U-Bahn flaniert. Das ist genau das Gegengefühl gegen das Leben von David Bowie: Musse. Die kommt im Film nicht vor; der ist rauschhaft.

Bowie meint, er müsse das Leben in jedem Moment ausloten. Er hält es für einen Erfolg, mit wenig Schlaf auszukommen. Sein Ruhm gründet in den frühen 70ern. Da hat er diese Atmosphäre vermutlich einzigartig historischer Offenheit sensibel gespürt, aufgesaugt und formuliert oder reproduziert . Nicht diejenige in seinem tristen englischen Provinznest. Diejenige, die ihm sein älterer Halbbruder eröffnet mit Kerouac, Coltrane. Die Lebensfragen philosophisch reflektiert.

Es ist das Feeling, dass alles kulturell Bisherige ‚Rubbish‘ gewesen sei, dass sich mit Rubbish aber trefflich spielen lasse. Und schon gar nicht die Festlegung auf eine eindeutige Sexualität. Bi? Kein Problem und niemand regt sich auf darüber.

Ein atemberaubend, atemloses Leben, nie hat er sich niedergelassen, erkundet die Welt auch in dunklen Ecken und will andererseits gar keine Kunst machen, folgt simplen Impulsen, will mehr, dass die Leute sich für das interessieren, was er macht, statt das zu machen, was er glaubte, dass die Leute erwarten. Mit den simplen Impulsen wurde er definitiv zum Superstar, der riesige Arenen – und nicht nur einmal! – füllte. Lets dance!

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