Kompromisslos an die Spitze
Lukas Graham war Medienmensch noch bevor er gehen konnte, erlebte so aber auch eine einsame Kindheit, immer Musik, Entertainment. Vor allem vom Vater wurde das liebevoll gefördert.
Mit 17 kann Lukas Graham hohe Ziele formulieren. In Dänemark ist er mit seiner Band bekannt. Aber er will mehr. Er will ganz an die Spitze – mit seiner Musik, mit dem, was er mit seiner Musik ausdrückt, mit den Songs, die ihn beschäftigen, mit seiner hellen Stimme, die er gezielt übt.
So werden sie vom großen Musiklabel Warner Brothers nach L.A. eingeladen, können leger in einem Haus leben und arbeiten. Jetzt könnten sie ihre Träume verwirklichen, aber gerade das lähmt. Sie haben immer noch keine Single. Lukas erlebt Momente der Schreibblockade, gerade jetzt, wo er doch alle Voraussetzungen hat.
Sie erhalten ein zweites Mal die Chance, kreativ zu sein. Aber den roten Teppich rollt ihnen Warner erst aus, wie sie im Internet erfolgreich sind. Für die Geschäftsleute zählen nur Klickzahlen und Toplisten, in welche Lukas und seine Band geraten sind.
René Sascha Johannsen begleitet den Sänger bei seinem Aufstieg zwischen 2013 und 2019. Zuletzt ist Graham bereits ein weltberühmter Star, füllt Arenen.
Aber das Augenmerk des Filmes ist nicht auf den Glamour gelegt, der selbstredend dazu gehört. Der ist eher das selbstverstänliche Nebenprodukt und ab und an ganz schön nervig. Der Dokumentarist interessiert sich dafür, dass Graham vor allem zielbewusst an sich und seiner Band arbeitet, seine Fokussierrtheit, wie er gegen die Kraken des Geschäftes kämpft.
Es gibt eine Stelle, da beklagt Lukas Graham, dass er deutlich mehr als vier Wochen auf Tour ist. Denn wenigstens einmal im Monat möchte er seine Freundin sehen, die inzwischen schwanger ist.
René Sascha Joahnnsen bleibt dicht dran an seinem Protagonisten, darf ihm zuschauen und zuhören auch bei privaten Telefonaten, beim Feiern mit der Band, im Privatjet, Hotelzimmer oder zuhause mit der kleinen Viola.
Der Film ist weder Devotionale noch falsches Hochgejubele. Es ist das Portrait eines hart Arbeitenden. Es wird sichtbar, dass Lukas Graham durch und durch Musiker ist, getrieben von innen und dem man nichts vorschreiben kann. Der aber auch erleben muss, wenn er seine Autogrammpflichten mal nicht nachkommt, dass es richtig böse Tweets setzt.
Es ist kein Musikfilm insofern, als die Musik zwar vorkommt, immer wieder, aber nie wird eine ganze Nummer gespielt, nie suhlt sich der Film in Grahams Musik, die Stücke bleiben fragmentarisch, gerade so, dass man allzu gerne ein Konzert des Musikers besuchen möchte, dieses genialen Künstlers, der sein Ding macht und richtig sauer ist, dass er für den Grammy zwar dreimal nominiert wird, aber keinen bekommt und keine Lust hat sich mit Geschwafel drüberhinwegzureden wie, Hauptsache, dass man nominiert war.