Der laute Frühling

Ein „dokumentarisch-fiktionales Filmmanifest“,

nennt sich dieser Film von Johanna Schellhagen. Es ist die ganz persönliche Beschäftigung der Autorin/Filmemacherin mit dem Zustand der Welt, der Klimakatastrophe, der Funktion des Kapitalismus dabei und die Überlegung, diesen abzuschaffen.

Der Film hat einen Rechercheteil: der besteht aus Archivaufnahmen von Demos, Aufständen, Umweltkatastrophen, aus Befunden von Wissenschaftlern, Aktivisten, Fachleuten.

Die Befunde sehen nicht rosig aus. Die Welt spricht zwar von Klimaerwärmung und der Reduktion des CO2-Ausstoßes. Faktisch aber werden die Emissionen immer mehr. Die Klimaerwärmung schreitet erschreckend schnell voran, der Weg aus dem Holozän, dem Zeitalter, das dem Menschen prosperierendes Sein ermöglicht, wird immer schneller.

Die Massendemonstrationen in vieler Herren Länder werden prinzipiell unter dem Thema Klimawandel subsumiert. Das Ergebnis ist ernüchternd: eine Befreiung von Gewaltherrschaft hat nicht stattgefunden (arabischer Frühling, Hongkong, Lateinamerika).

Der Film geht auf die Verflechtung von Kapitalismus und Gewaltherrschaft ein, Lateinamerika, die kapitalistischen und staatlichen Interessen gegen die Indigenen.

Der Film stellt sich die Frage, was zu tun ist. Er entwickelt Visionen, wie die Menschen sich erst die kapitalistischen Produktionsmittel aneignen (mittels Streiks) und dann eine bessere Welt realisieren. Diese Rezepte wirken zusammen mit den Illustrationen allerdings reichlich naiv. Es geht um Modelle, die schon x-fach versucht worden sind.

Der Film arbeitet immer wieder mit Schwarzbild, wodurch er minutenweise Hörspielcharakter erhält.

Die Erkenntnis, dass der Kapitalismus mit dem Überleben der Menschheit nicht kompatibel sei, ist nicht gerade ermutigend, denn der Kapitalismus hängt der Wachstumsphilosophie nach; Wachstum bedeutet: mehr Emissionen, vor allem: Akzeleration dieses Vorganges. Wie genau die Klimabewegung diese Widerspruch trotz dem Spargebot lösen will, bleibt wolkig.

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