Italo Disco – Der Glitzersound der 80er (arte, Freitag, 29. Juli 23.35 Uhr)

Sonne, Strand, Spaß

und mit dem Sound dazu Geld verdienen („No tengo Dinero“), das war die Devise der Italo Disco, der in den frühen 80ern in Italien aufkam und mit „Vamos a la playa“ um die Welt ging. Wobei in letzterem Song Umweltverschmutzung, Atomverschmutzung und Kalter Krieg, die explosive Grundlage bildeten.

Alessandro Melazzini (Das Vermächtnis der Zisterzienser) hat schwungvoll für das Fernsehen den Weg der Italo Disco nachgzeichnet. Das kommt sogar im Kino super rüber, wie die Münchner Premiere im Kino Neues Rottmann unter Anwesenheit des Regisseurs sowie von Protagonisten wie DJ Hell, Linda Jo-Rizzo, Claudi Casalini eindrucksvoll zeigte.

Diese Italo Disco entstand in Italien, sprang aber schnell nach München über (auch der Filmemacher ist ein Exil-Italiener), weil hier wegen der Amis moderne Studios und Technik nicht unbekannt waren, es jede Menge Studios gab und auch München für seine Discowelt weitherum bekannt war.

Der Italo Disco enstand mit einfachen Mitteln. Es war die Zeit, als die Synthesizer aufkamen, das technische Bearbeiten von Sound und Stimmen. Der Sound zählt und nicht die Individualität. Und der aufregende Name: Savage, aus dem Englischen aber französisch ausgesprochen.

Es gab Leute, die haben in jedem Zimmer einen Synthesizer gehabt und unentwegt experimentiert. Der DJ wird zum Kreativen. Das Prinzip von einfachen Texten, die mehrfach wiederholt werden, eröffnet die unendlichen Variationen mit den technischen Geräten. Eine Mischung aus Trash und Genialität.

Es war zuerst nicht etablierte Studiokunst. Sie zeichnete sich – im Gegensatz zu ABBA beispielsweise – aus durch Internationalität. Die Italo Disco scheut nicht vor Fake zurück, denn wichtig ist der Gesamtsound. So kann man gut vor die Kamera einen ansehnlichen Protagonisten stellen und vor das Mikro jemanden mit einer Ohrwurm-Stimme. Das ist später bei Villi Manilli zum Skandal geworden, entspricht aber der Philosphie der Italo Disco, was ihm durchaus ein barockes Element verschafft.

In den 90ern hat sich das Prinzip erschöpft, erlebt aber mit dem Aufkommen des Internets eine ungeahnte Renaissance, und wenn Linda Jo-Rizzo heute bei einem Konzert Jugendliche fragt, wieso sie herkommen, so antworten sie, weil ihre Eltern das schon gehört haben.

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