Hatching – Pahanhautoja

Fast süffisant führt Hanna Bergholm, die mit Ilja Rautsi auch das Drehbuch geschrieben hat, den Horror ein.

Tochter Tinja (Sliri Solalinna) der Vorbildfamilie im feinen Landhaus im locker bebauten Landhausviertel mit vielen Bäumen und genügend Zwischenräumen für Horror macht im Salon Gymnastikübungen, die Mutter (Sophia Heikkilä) kommt mit dem Handy am Stab dazu und dazu gesellt sich auch der Vater (Jani Volanen), ein Architekt vielleicht und der etwas jüngere noch präpubertäre Sohn Matias (Oiva Ollila), eine klassische Horrorfamilienkonstellation, die sich als strahlend glücklich präsentiert, eine Traumfamilie, so wie Mama es mit ihrem Handy einfängt für ihren Blog „Wunderschöner Alltag“.

Das Glück findet in gepflegter Innenausstattung mit kostbaren Gläsern und einem schweren Kronleuchter statt.

Schon beim Kameraflug über das Landhaus-Viertel findet sich auf der Tonspur das Krächzen einer Krähe oder eines Raben. Just beim Familienfoto verirrt sich so ein Vogel in das wertvolle Eigenheim und richtet materielles Unglück an, wie die Familie das arme Tier einfangen will.

Mit einem Tuch schafft es schließlich die Tochter. Mama bittet um den Fang, Tochter glaubt, sie will es in die Freiheit entlassen, aber Mama erwürgt es lebenspraktischer mit einem Griff, Tochter soll das tote Tier im Müll entsorgen.

Das ist eine wunderbare Exposition für einen Horrorfilm, der nichts verheimlichen will und doch ankündigt, dass es spannend werden kann.

Der Film zeigt mit einem individuellen Faible für das Horrorgenre, dass eine Monokultur des Schönen, des Geleckten und der Blümchentapete nie und nimmer funktionieren kann. Dass sich das Böse seinen Weg bahnt. Dass über der feinen Wohnsiedlung die schwarze Krähe kreist und sich ihre Opfer sucht.

Hanna Bergholm mixt fröhlich die Topoi vom Schlabber-und Igitt-Horror über das Schöne-und-das-Biest-Element bis zum Das-Mädchen-und-sein-Double. Die Abgründe des weiblichen Coming-of-Age (die Männer sind hier eher unterkomplex dargestellt) zwischen Mama mit Eismutterelementen (es geht um einen Turnwettbewerb), zwischen neuer (perfekter) Freundin Reett (Ida Määttänen) im Nachbarhaus., die im Kunstturnen besser ist als Tinja, bis zum Eingeweihtwerden in das Fremdgehen der Mutter mit Tero (Reino Nordin):

Zwiespalte, die innerhalb eines wunderschönen Alltages so nicht austragbar und nicht erträglich sind, die direkt nach vielfältigem Horror schreien.

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