Die Magnetischen – Les Magnetiques

Es brennt noch,

das Feuer, das die Jugend ausmacht, die Liebe, die Begeisterung für die engagierte Musik der frühen 80er und für das Radio, für die Magnetbänder, auf denen die Musik gespeichert ist und von denen sie abgespielt wird, die für Jingles und Endlosschleifen benutzt werden.

Das ist der Gesichtspunkt, unter dem Philippe Bichon (Thimotée Robart) seine Jugend Revue passieren lässt. Dreh- und Angelpunkt ist die Wahl von Mitterand zum französischen Präsidenten 1981 und der Tod von Bob Marley am Tag darnach.

Philippe betreibt mit seinem Bruder Jerôme (Joseph Olivennes) den Piratensender ‚Radio Warschau‘. Während Bruder Jerôme die Ansagen macht, betätigt der zurückhaltende Philippe die Regler. Er ist der Ich-Erzähler in diesem wunderbaren Film reinster Nostalgie und der wie eine ganz persönliche Individualgeschichte erscheint, von Vincent Mael Cardona, der mit Chloé Larouchi, Mael Le Garrec und anderen auch das Drehbuch geschrieben hat.

Die beiden Brüder leben in der französischen Provinz. Philippe hat ein Auge auf die Coiffeuse Marianne (Marie Colomb) geworfen; sie ist die Geliebte seiner Bruders. Für Philippe steht die Musterung an und alle Tricks, sich taub, idiotisch und unangepasst zu stellen, nützen nichts; die Militärpsychiater legen ihn rein.

Philippe wird eingezogen und muss für ein Jahr nach Berlin. Kalter Krieg. Französische Beatzungsmacht. Heute beliebter Koproduktionsort wegen dem schönen deutschen Geld.

Je entfernter das Objekt der Begierde, desto heißer brennt das Feuer der Liebe. Philippe kommt beim Militär mit dem Radio in Kontakt über den vertrauenswürdigen Edouard (Antoine Pelletier). Dieser bringt ihn ins Studio der Briten in Berlin. Philippe spricht leidlich Englisch. Er nutzt eine Sendung für eine wahnwitzige Soundmontage im Studio als Liebeserklärung an Marianne.

Doch das Schicksal spielt manchmal anders als erhofft, es teilt heftige Schläge aus. Persönliche Dramen werden folgen. Trotzdem wird bei Philippe das Feuer weiterbrennen.

Vincent Mael Cardona erzählt die Geschichte durchaus mit einem verklärten Blick, die Bilder wirken wie aus einem gepflegten Fotoalbum, das Patina angesetzt hat und in warmem Licht. Dem haftet nichts Aufdringliches an; denn Philippe will eines auf gar keinen Fall sein: ein Alphamännchen. Das ist einfach nur schön.

Das Besondere, das Einzigartige daran: Cardona und seine Mitautoren sind zm Zeitpunkt, in dem der Film spielt, gerade eben zur Welt gekommen; sie als Internet-Natives versuchen, sich eine Jugend in der Vor-Internetzeit zu imaginieren.

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