Mein Vater, die Wurst (DVD)

Die Reichen nicht noch reicher machen –
eine etwas andere Familiengeschichte

Die Reichen noch reicher machen, das sieht der Bankangestellte Paul (Johan Heldenbergh) nicht mehr ein. Denn das ist genau das, was er seit Jahren in seiner Arbeit auf einer Bank tut. Gerade hat er mit seiner Frau (Hilde De Baerdemaeker) ein elegantes Haus gebaut für sich und die drei Kinder Fien (Jade De Ridder), die Älteste, die Geigenunterricht auch nur nimmt wegen dem attraktiven Geigenlehrer), Katastrophenvisionär Kas (Ferre Vuye) und der kleinen spritzigen Zoe (Savannah Vandendriessche).

Die Familie braucht das Geld von Pauls Job. Aber es lebt auch jeder in dieser Familie in seinem Universum. Zoe leidet am meisten darunter, sie ist die pfiffigste, die jüngste, sie verarbeitet ihre Eindrücke in fantasievollen Animationen. Sie ist auch die Beobachterin und Icherzählerin in diesem Film von Anouk Fortune nach dem Drehbuch von Jean-Claude Van Rijckeghem nach dem Roman von Agnès de Lestrade.

Mama ist immer auf Geschäftsreise bis nach China, denn Opa (Serge-Henri Valcke) ist ein Pralinenfabrikant und sie arbeitet für ihn.

Wie ein Urknall kommt es eines Tages über Paul, dass er seinem Leben keinen Sinn mehr abgewinnen kann, nur dafür zu sorgen, dass die Reichen immer reicher werden. Er kündigt. Entsetzen in der Familie. Einzig Zoe und die Oma (Camilia Blareau) sind kunstsinnig und können der Idee, dass Papa Schauspieler werden möchte, etwas abgewinnen.

Es ist ein Film, der humor- und fantasievoll vom Ausbruch aus der Routine erzählt, der direkt ermutigt dazu. Auch wenn Paul keine Traumkarriere hinlegt. Der Ausbruch wird sich auf jeden Fall gelohnt haben.

Seine erste Rolle, das wird im Film früh schon bekannt gegeben, ist die einer vergetarischen Wurst. Auf den ersten Moment sieht er lächerlich aus in dem Kostüm. Aber es ist alles eine Frage der Würde, der Perspektive, wie man mit so etwas umgeht.

Würde ist leichter herstellbar, wenn man Menschen hat, die einen unterstützen. So wird der Film ein Stück weit eine Road-Map zum Ausstieg, aber auch eine Art Road-Movie von einem Vater und seiner jüngsten Tochter, die ausbüchsen, die Schauspieltrainings besuchen, die casten und vorsprechen, die aus sich herausgehen und damit umgehen lernen müssen, dass nicht jede Schauspielerrolle eine Shakespeare- oder eine Tschechow- oder eine Moliere-Rolle ist. Dem Rest der Familie verheimlichen sie ihr Tun. Aber auf Dauer kann solches nicht verborgen bleiben.

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