Träume sind wie wilde Tiger (DVD)

Dass Träume wie wilde Tiger sind, mag vielleicht in Indien gelten, die ersten Minuten des Filmes spielen dort und sind bollywoodisch angehaucht: Musik, Tanz, Gesang, Strand, bunte Stoffkostüme.

Aber dann stürzt der Film von Lars Montag, der mit Ellen Schmidt, Sathyan Ramesh und Murmel Clausen unter dramturgischer Beratung von Gabriele Jung auch das löchrige Drehbuch geschrieben hat, jäh ab in die Untiefen deutsch öffentlich-rechtlich subventionierten Fernsehens.

Gut, der Film ist wohl nicht fürs Kino gedacht, sondern fürs Fernsehen und erscheint jetzt als DVD. Da darf man vielleicht nicht so scharf urteilen, wie wenn die Behauptung im Raum stünde, ein Kinoprodukt vor sich zu haben.

Gehen wir also davon aus, dass das Fernsehen die Zuschauer nicht so ganz ernst nimmt, dass es gutbläubig davon ausgeht, die würden auch bei einem Film mitgehen, wenn da mitunter haarsträubende Wendungen im Plot vorkommen. So wollen wir denn einfach die gute Absicht hinter dem Produkt sehen, das eher wie eine lahme Ente, denn wie ein wilder Tiger daherkommt, integrativ jedoch politisch korrekt gedacht ist.

Es geht um Integration. Der Film verweist darauf, dass zum Beispiel ein radebrechend deutsch sprechender Inder (Irshad Panjatan), der tatsächlich beim Schuh des Manitu mitgespielt hat, jetzt den Opa (Dada) des Kinder-Protagonisten Ranji (Shan Robitzky) in Indien gibt; er ist der einzige, der die Träume des Jungen versteht: dieser möchte das Casting für eine Rolle in einem Film von Bollywood-Megastar Amir (Terence Lewis) gewinnen.

Dazu muss er ein Casting-Video aufnehmen. Dem kommt dazwischen, dass seine Eltern nach Deutschland auswandern wollen, weil sie dort zehnmal so gut leben würden wie in Indien.

In Deutschland schwingt der Film mit viel Klischee, Karikatur und bekannten Namen die Integrationskeule. Im Flugzeug nach Deutschland darf Roberto Blanco das Präludium dafür geben.

In der immens anonymen Wohnsiedlung ist die Karikatur von Vermieter (Herbert Knaup) die nächste Begegnung. Simon Schwarz als schrullig sein sollender Experimentalmusiker (Experimentalmusik ein pädagogisch wertvolles Thema, ganz klar) ist der Nachbar, in Scheidung begriffen und es klafft ein großes Loch in der Wand zwischen den beiden Wohnungen.

In der Schule finden Rassimus und Integration auch ihren Platz.

Viele Hindernisse werden erfunden, warum Ranji sein Bewerbungsvideo erst in letzter Sekunde und dann nicht mal ganz, absenden kann. Und wie Kinder heute mir nichts dir nichts schnell mal nach Indien fliegen, das sind wirklich Zaubertricks, von denen man nur träumen kann. Insofern bewahrheitet sich der Titel auf seine ganz eigene Art.

„Los, los, los, Integration!“.

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