Deutsche Filmkultur
Zu einer Filmkultur gehört gerne ein Startum. Und die deutsche Filmkultur hat sogar veritable Stars, inzwischen zum Beispiel Elyas M’Barek, der als Zugpferd für einen deutschen Film in Deutschland wenigstens für ein paar Hundertausend Besucher gut sein dürfte.
Insofern könnte sich ein Kalkül, dem Star von einer bewährten Autorin (Anika Decker) eine Rolle auf den Leib schreiben zu lassen, eventuell rechnen. Sie schreibt nicht nur das Buch, sondern führt auch noch die Regie. Das kann ja auch funktionieren, man will hier keine cinematographischen Kunstwerke schaffen, sondern Geschichten erzählen, die von einem Star handeln und mit denen Geld zu verdienen ist.
Dieser Star heißt Marvin Bosch und ist wie sein Darsteller M‘ Barek ein bekannter Star mit all den hier ausgewalzt gezeigten Begleiterscheinungen wie kreischende Fans, aufdringliche Fotografen, Rote Teppiche, eine penetrante Klatschspaltenjournalistin (Alexandra Maria Lara), die sensationelle Geschichten ohne Rücksicht auf Verluste braucht. Die Managerin von Marvin (Peri Baumeister) versucht, Aufsicht zu führen bei Interviews, trimmt ihren Star darauf.
Diese Klatschspaltengeheimnisse werden brühwarm erzählt, als ob sie selber Klatschspaltenmaterial seien. Es folgt ein Absturz des Stars. Er kann eine Filmpremiere nicht absolvieren. Er landet in einem Vorstadt-Kabarett, das bald schließen muss.
Die Handlung verzettelt sich in seiner Flucht vor der Öffentlichkeit, hält sich gerne in dem Theater auf. Hier werden die aktuell hoffähigen LGBT-Themen ventiliert. Der Zuschauer muss Kabarett-Witze ertragen.
Irgendwann wird doch recht unverhofft, weil dem Film droht der Schnauf auszugehen, noch das Thema Happy-End verhandelt und damit wird der Plot-Sack wieder zugeschnürt.
Es ist eine bieder, hausbackene Filmwelt, die hier mit wenig filmischer Ambition, auch mit wenig analytischem Ehrgeiz und unter gänzlichem Verzicht auf galligen Humor gezeigt wird. Die Amis würden in so einem Fall einen Film wie Massive Talent drehen und ein Produkt herstellen, was sie auf dem Weltmarkt absetzen können. Dies dürfte bei der vorliegenden deutschen Variante eher nicht der Fall sein, man bleibt hier lieber provinziell und unter sich und seinesgleichen.
Der Film wirkt so, als werde dem Star Elyas M’Barek ein viel zu kurzes und zu enges Strampelhöschen angezogen und als wäre die Rührstory nach Groschenheft-Rezept das zentrale Anliegen. Der Film ist Zeuge einer massiv defizitären, deutschen Filmkultur, sind doch die Matchmacher überwiegend führende Akteure – und Profiteure – im deutschen Subventionstümpel.