Corsage

Verguckt in das Unglück einer Frau –
dazu Schwermutsmusik

Der Film von Marie Kreutzer ist eine Aneinanderreihung von Miniaturen in Szenenform aus dem Leben der berühmten Kaiserin Elisabeth (Vicky Krieps mit dem gewissen Blick) zwischen Ende 1877 und Ende 1888.

Es scheint hier nicht um historische Genauigkeit zu gehen. Wie soll denn 1878 bereits Celluloid-Rollfilm zur Verfügung gestanden haben?

Die Filmemacherin legt das Gewicht ihrer Aufmerksam vollauf auf das Unglück der Kaiserin. Davon scheint sie richtiggehend angefixt zu sein; von diesem Widerspruch zwischen kaiserlichen Verhältnissen und chronischem Unglück.

Zur Veredelung der Schnulze werden ab und an Weisheitssätze eingefügt: „Hauptsache, wir hinterlassen ein hübsches Bild“, „Die Menschen fürchten die Flüchtigkeit“, „Als wär ein Teil von Dir gestorben“.

Es ist ein sentimentalisches Kino voller Mitleid, Mitgefühl, Empathie für die Frau, die offenbar nicht glücklich sein kann trotz ihres herausgehobenen gesellschaftlichen Status; krasser zeigt das der Film Spencer von Pablo Larrain, der ganz klar die Schuld am Unglück von Lady Di der Horror-und Vogelscheuchenfamilie der Windsors zuschiebt.

Zu so einer Haltung kann sich Marie Kreutzer nicht durchringen. Sie lässt ihrer Faszination von alten Kostümen, den k. u. k. Glanz, den Interieurs von Schlössern, den Kutschen freien Lauf.

Elisabeth scheint von Natur aus nicht auf Glück programmiert zu sein. Das schildert die Regisseurin in jeder Szene. Teils sind die höfisch-zeremoiell steif. Dadurch kommt noch klarer zum Ausdruck, dass die Regisseurin fast einen Pinzettenfilm hergestellt hat, als ob sie mit Bedacht und Pinzette ein jedes Detail auf die Leinwand peppt, die vor allem von Nahaufnahmen und Halbnahen dominiert wird.

In diesem Jahr, das der Film behandelt, reist Elisabeth nach England, hat einen Ansatz zu einer Affäre, selbstverständlich unglücklich, auch diejenige mit ihrem Cousin Ludwig aus Bayern erhält ihren Dämpfer durch die Gerüchte über die Stallknechte.

Kein Sommerhausaufenthalt hilft, keine Reise nach Bayern. Die Ärzte versuchen die depressive Frau mit Heroin zu behandeln. Auch keine gute Idee. Und zu guter Letzt lässt die Regisseurin die Kaisern malerisch vom Bug eines Schiffes ins Mittelmeer springen (das heißt dann: Selbstermächtigung; etwas spät vielleicht). Sie hinterlässt Kinder, aber mit denen wurde sie auch nicht glücklich, so wenig wie mit ihrem Gatten.

Der Film ist vielleicht eher sentiment- und bild- und nicht story- oder geistlustig. Die Regisseurin scheint wie gebannt vom Unglück dieser Frau – vielleicht weil sie das Bild einer modernen Frau entwerfen will, die in jener Zeit keine Chance auf Selbstverwirklichung hatte? Würde bedeuten, dass sie behauptet, heute könnte eine Sissi glücklich sein, ja überhaupt, dass die moderne Frau glücklich sein kann?

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