Zomer – Nichts wie raus! (BR, Donnerstag, 7. Juli 2022, 23.30 Uhr)

Es gibt anderes,
als das Dorf wahrhaben will.

Ein Dorf in den Niederlanden im Schatten eines AKW. Dieses hat die Leute gekauft, investiert in kulturelle Aktivitäten wie Aktzeichnen, Kritik ist unerwünscht, erst recht von Leuten außerhalb.

Ana (Sigrid ten Napel) wächst hier auf mit einem Vater (Steef Cujpers), dem sein Fischfang und sein Job beim AKW wichtig sind. Die Mutter (Willemijn van der Ree) kommt aus einem Nachbarsort. Sie ist unglücklich, ihre vielen Leiden schiebt sie auf das AKW; aber das interessiert niemanden. Der Vater schenkt seiner Frau zum Geburtstag eine Wagenladung voller Erde aus ihrem Dorf, damit sie nichts mehr zu mäkeln habe.

Es ist der Sommer des Coming-of-Age und gleichzeitig des Coming-Out von Anne. Bisher gab es nur diese eine, recht dumpfe Welt, die Colette Bothof nach dem Drehbuch von Marjolein Bierens exzellent schildert.

Die Kinder unterwegs auf ihren Fahrrädern. Gruppenleben. Der ältere Bruder, der hält es nicht mehr aus, zieht ins Gartenhaus. Das Dorf kennt nur die Fassade. Alles ist unter dem Schirm der Kirche. Die kennt auch nur Fassade. Eine Vergewaltigung an einem jungen Mädchen durch einen Stallburschen wird mit einem „Entschuldigung“ und einer Kiste Äpfel abgegolten inslucive anschließender Heirat.

Die Begegnung von Anna mit Lena (Jade Olieberg) lässt einen Riss in dieser Ein-Welt entstehen. Zart und ahnungsvoll entwickeln sich die Gefühle des Dorfmädchens zur Zugezogenen mit dem Motorrad und der Künstlerinmutter.

Es gibt drastische Ereignisse, aber der Film schildert sie nicht anklagend oder besserwisserisch, nicht aus einr moralisch erhobenen Position; er schildert sie eher so, wie das Dorf sie eben wahrnimmt und immer schon wahrgenommen hat mit seinen recht simplen Weltbildern, in der die Liebe zweier Frauen nicht vorgesehen ist.

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