Siebzehn (BR, Donnerstag, 28. Juli 2022, 23.15 Uhr)

Magic Mushrooms,

das war nicht der Geschmack des ersten Kusses zwischen Paula (Elisabeht Wabitsch) und Lilli (Alexandra Schmidt), eher eine Enttäuschung – und doch so, dass der Hunger darnach nicht gleich erlosch.

Es ist aber nicht so, dass Monja Art ihren Film, den sie in überwiegend romantisch komponierten und ausgleuchteten Bildern erzählt, als die Geschichte der beiden jungen Frauenl als Plot herausstellt. Dieser Kuss kristallisiert sich heraus aus den epischen Schilderungen der Generation 17, die ihren normal Alltag lebt, Schule, Erster-Hilfe-Kurs, im eigenen Zimmer, in der Natur, im Auto. Sie hängen rum, hängen zusammen.

Das Coming-of-Age passiert wie eine zweite Realität. Es ist da in dieser Lebensphase. Hier sind die jungen Menschen vom Bildungsweg her mit dem breitesten Horizont aufgestellt, sie sind groß geworden, äußerlich erwachsen, sie spüren aber noch die unendliche Freiheit und Offenheit des Seins.

Es sind frei schwimmende Radikale. Sie diskutieren, was der Unterschied sei zwischen Liebe und Sex. Sie reden vom Ficken. Sie beobachten, zwischen wem und wem Attraktionen zu beobachten sind. Sie chatten. Sie sind verlegen. Sie sind halb erwachsen, halb Kind, wie Tim (Alexander Wichodil), der noch einen richtigen Hasen im Zimmer hat, der zwischen seinen Spielzeugroboterfiguren herumläuft. Sie sind noch grün hinter den Ohren. Die Mädchen teils weiter entwickelt als die Jungs.

Eine wunderschöne Szene findet an einem Busstop vor weiter Flur statt. Die schüchterene Frage, ob das Mädchen mit auf ein Konzert kommen würde.

Es ist die Zeit der Verwirrung der Gefühle, sicher, auch sich anbahnender Dramen, von Eifersucht und Besitzanspruch, Zeit der Verführung durch Drogen, Tabletten, Alkohol, es ist diese Zeit des Sich-Sortierens für ein späteres Erwachsenenleben, was Monja Art hier mit der unverkrampften Art schildert, wie die 17-Jährigen mit den erwachsenen Themen umgehen.

Es ist eine flirrende Zeit, die im ganz normalen Alltagsleben wie eine zweite Realität abläuft.

Eine wunderschöne Figur ist der Lehrer (Christopher Schärf), der selbst noch recht neu im erwachsenen Leben ist, der aber schon Mühe hat, die nächste Generaiton zu verstehen, der selber wohl schon das Doppelleben von 17-jährigen weit hinter sich und vergessen hat und hilflos und verständnislos auf die Provokationen der Schüler reagiert; andererseits ist auch er nicht frei von Gefühlen.

Zur schönen Kulisse trägt der Ort Lanzenkirchen bei, dessen Gymnasium im Zentrum der Handlung und der Schilderungen steht.

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