Eine total normale Familie (BR, Fernsehen, Mittwoch, 21. Jui 2022, 23.15 Uhr)

Wenn in der titelgebenden Familie alles so total normal wäre, wie behauptet, dann hätte Malou Reymann ihren Film nicht machen müssen.

Dann hätte es vollkommen gereicht, aus den Homevideos der Familie, bestehend aus Vater, Mutter und zwei entzückenden Töchterchen, einen Film zu machen. Diese Homevideos der total normalen Familie (den Begriff ’normal‘ im Hinblick auf vermutlich die überwiegende Mehrzahl angewendet) gibt es auch, die Regisseurin schneidet sie als Rückblenden hinein.

Papa Thomas (Mikkel Boe Folsgaard) ist begeisterter Fußballfan und will die Töchterchen Emma (Kay Toft Loholt) und Caroline (Rigmor Ranthe) zum Fußball hinführen. Mutter Helle (Neel Ronholt) spielt keine allzu große Rolle; sie scheint die Repräsentantin der Normalität zu sein.

Die gewisse Differenz zur ‚Normalität‘, das ist der Knaller schon nach kaum zehn Filmminuten, ist die Mitteilung der Eltern, dass sie sich scheiden lassen werden, weil Papa Thomas eine Fau werden möchte.

Mit diesem Paukenschlag verabschiedet sich die Mutter fast ganz aus dem Film. Damit umgehen müssen vor allem die Töchter, die Ältere, Caroline, steht kurz vor der Konfirmation, in Dänemark ein traditionell wichtiges Familienfest, und die jüngere, frühpubertäre Emma. Die tut sich anfänglich besonders schwer und auch später, wenn sie flapsige Bemerkungen über ihren Vater, der zur Mutter geworden ist, hört, kann sie nicht gut damit umgehen. Sie leidet auch darunter, wie sie und ihre Schwester mit Agnete, wie der umgewandelte Vater sich jetzt nennt, im Urlaub Komplimente für ihre Mutter bekommen, wünschte sie sich Erklärungen den Fremden gegenüber; ein diffiziles Unterfangen, speziell ‚Normalos‘ gegenüber.

Andererseits erfüllt der Film seinen Titel von dem Moment an, wo die Umwelt die Schaltung im Hirn gemacht und akzeptiert hat, dass der Papa von Caro und Emma jetzt eine Mama ist; da ist das Leben so normal und spießig wie zuvor, sei es bei Familienfeiern oder beim Minigolfspielen oder beim Fiebern um das Endspiel in der Champions League. Offenbar aber schafft ein Teil der Umwelt es nicht, diese Wahrnehmungsänderung vorzunehmen, so dass Agnete sich einen Job in London sucht – was für die Töchter wiederum eine Chance auf Reisen bedeutet.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.