Dear Memories – Eine Reise mit dem Magnum-Fotografen Thomas Hoepker

Entspannter Road-Trip

Das Ehepaar Christine Kuchen und Thomas Hoepker begeben sich mit ihrem Wohnmobil vom Osten der USA auf einen Road-Trip durch das amerikanische ‚Heartland‘ nach San Franciso. Sie haben vor 17 Jahren (vor den Dreharbeiten) in Las Vegas geheiratet. Jetzt leidet Thomas, der Magnum-Fotograf, an aufkommender Demenz. Seine Partnerin organisiert den Trip als ein Heilmittel dagegen; weil es ihm gut tue, fotografieren zu können.

Nahuel Lopez begleitet den entspannten Trip und schneidet sein Footage, ebenfalls schöne Fotografie, flüssig und komfortabel genießbar zusammen. Allerdings dürfte es ihm ernster mit dem Shooting sein als seinem Protagonisten. Der reicht ihm mal einen Apfelschnitz, aber von hinter der Kamera kommt kein Mux zurück. Auch eine Art Arbeitskonsequenz. Obwohl natürlich auch so ein Dokumentarist die menschliche Situation verändert.

Thomas Hoepker hat da eine etwas lockerere Auffassung, er liebt es durchaus, der Doku-Kamera die Zunge rauszustrecken oder seine Augen hinter der Covid-Maske zu verbergen. Das war auch die Auffassung für seinen Beruf als Fotojournalist. Nicht das sensationelle Drama, vielleicht eher etwas drum herum, was es relativiert, was eine Art Humor hat oder zumindest etwas Groteskes wie das Foto von 9/11, die Rauchwolke im Hintergrund, die Zwillingstürme gar nicht als solche zu erkennen und im Vordergrund eine Gruppe sömmerlicher junger Menschen, die müssig picknicken.

Eine andere wichtige Erkenntnis für Hoepker kam bei einer Reise nach Burma: das Akzeptieren purer Schönheit, auch wenn die nachher als Kitsch verkauft wird, und nicht immer im Schönen den Fehler, den Riss, den Bruch suchen.

Über allem schwebt die Frage, was ist gute Fotografie. Sie kann etwas festhalten, einen Moment, aber was macht das gute Foto aus, was muss es erzählen? Und dann die Frage, wieso es ein Foto eventuell schaffft, zur Ikone zu werden; worüber oft auch der Fotograf selbst erstaunt ist. Er muss wach sein, offenen Auges. An sich, erklärt Hoepker einem Passanten, ist es ganz einfach, man muss nur Klick machen. Aber es scheint, dass Klick nicht gleich Klick ist. Hoepker war stets Auftragsfotograf, hat sich als Fotoreporter alter Schule gesehen, als Bildjournalist. Seine Fotos sind eine Augenweide, sind Hingucker. Der Film über ihn ebenso.

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