Der Menschliche Faktor

Hochtrabender Titel: den gab es schon von Otto Preminger 1979, nach dem Drehbuch von Tom Stoppard nach dem Roman von Graham Greene mit Darstellern wie Richard Attenborough, John Gielgud, ein hochkarätiger, britischer Spionagethriller.

Eher unwahrscheinlich, dass Ronny Trocker, der hier für Buch und Regie steht, irgend einen Verweis auf den britischen Film beabsichtigt. So sei der Versuch gewagt, vom Film ausgehend den Titel zu begreifen oder zu erklären.

Die ersten Aufnahmen suggerieren Horror. Die Kamera durchstreift ein leeres, aber eingerichtetes Haus. Das ist jedenfalls ein häufig verwendetes Mittel im Horrorgenre, den Raum die Gelegenheit zu geben, sich als künftiger Horrorraum zu etablieren.

Dann weiß die Kamera auch schon, wie die Bewohner eintrudeln werden und fängt das in einer fahrigen Choreographie ein. Es ist dies die Protagonistenfamilie im Film, der Vater (Mark Waschke), die Mutter (Sabine Timoteo) und die beiden Kinder, der Bub noch kleiner, die Tochter schon erwachsen. Sie werden einträchtig in einem Bett schlafen.

Der Horror wird bald schon eingelöst mit bekannten Mitteln, Schreie, Mama hat Blut auf der Stirn und erzählt, sie habe den Kopf angestoßen, was hier bezüglich häuslicher Gewalt allerdings ein Irrläufer ist. Sie will einen Schatten gesehen haben und der Bub sogar Männer, die im Hause waren, während der Vater einkaufen war.

Zu erfahren ist auch, dass das Haus in einem französisch sprechenden Ort am Meer sich befindet und dass es das Elternhaus der Mutter ist. Sie betreibt mit dem Vater eine Werbeagentur. Der Auftrag einer politischen Partei für eine Wahlkampagne treibt Vater und Mutter auseinander. Sie ist dagegen, er sieht damit eine Chance für den weiteren Aufbau der Agentur, die wohl in Deutschland liegt.

Die Familie fährt ins Horrorhaus lediglich übers Wochenende. Mit dem suggerierten Horror ist wohl der alltägliche Horror in der Familie gemeint; man muss spekulieren. Mutter ist die Drama Queen, die verschlossen leidende Frau, die offenbar ihr Leben nicht so richtig erfüllt sieht, oft dramatische Positionen des Nachdenkens oder Leidens einnimmt. Papa ist die einfacher gestrickte Figur, ein Mann will eben spielen oder seine Werbeagentur aufbauen. Zwischentöne sind da nicht vorgesehen.

Das Horrorevent selbst zieht sich wie eine Schlaufe durch den Film, wobei nicht ganz klar ist, ob als Déjà-vu oder tatsächlich als Wiederholung; denn den Eröffnungssatz des Filmes, dass es stinke in diesem Haus, wird bei der Wiederholung ein „schon wieder“ eingefügt. Auch das ist als Bild für die Familie zu sehen, dass sie stinkig sei, dass sie Durchlüftung brauche. Die findet sich nicht so leicht. Töchterchen geht zur Disco und küsst unvermittelt einen jungen Mann, Mama raucht eine Zigarette mit einem Mann, der früher offensichtlich ein Freund war und Sohnemann begräbt in stiller Trauer seine Ratte in den Dünen und wird von der Familie vermisst. Schlusssatz des Filmes, Töchterchen fragt Brüderchen ob er ein Butterbrot möchte. Ein Famille-Noir-Film?

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