Vater Unser

Römisch-katholisches Doppelleben

oder am Puls der Zeit der römischen Kirche

Robert Polgar ist ein katholischer Priester in einer ländlichen ungarischen Gemeinde. Er ist beliebt, leutselig, kommunikativ, die Kirche ist voll, er treibt Sport, er singt, er kocht, er hat den Draht zur Jugend.

Was die Gemeinde nicht weiß: seit 9 Jahren ist er mit einer Frau zusammen und hat von ihr drei muntere Kinder. Mit diesen fängt diese hautnahe Dokumentation von Julianna Ugrin und Márton Vizkelety an.

Der Vater ist nicht da. Die Kinder zeichnen ihn, seine Kirche. Er ist Pfarrer, so viel ist klar. Pfarrers Kinder oder Müllers Vieh geraten selten oder nie, sagt eine Sprichtwort. Aber just nicht um solche Pfarrerskinder geht es hier. Denn offiziell existieren sie in dieser Funktion gar nicht. Daran ist der Zölibat schuld, diese widernatürliche Vorschrift für Priester, die so sehr zur Übertretung und zum Sündigen verlockt.

Diese Kinder sehen ihren Vater gerade mal 12 Stunden die Woche, denn sonst ist er rund um die Uhr für seine Gemeinde da. Doch die Gewissensqualen wrden größer, Wasser predigen und Wein trinken, das geht auf Dauer nicht.

Der Original-Titel des Filmes lautet Holy Dilemma, heiliges Dilemma. Dieses zu lösen drängt es den Pater. Die Kirche zeigt sich geschmeidig, ganz ohne Komplikationen bekommt er eine Auszeit von einem Jahr. Es ist ein Bürojob, womit er seine Familie ernähren kann. Dafür darf er sich mit ihr zeigen in der Öffentlichkeit. Das ist für alle eine Erleichterung.

Auf Dauer füllt der Bürojob den initiativen jungen Mann nicht aus. Er bewirbt sich in der Gemeinde, in der er rührend verabschiedet worden ist als sündiger Priester, für das Amt des Bürgermeisters. Die katholische Kirche mit ihren Widersprüchlichkeiten hat somit einen attraktiven Priester verloren. Aber vielleicht werden jetzt die Gemeindeversammlungen in dem kleinen Ort so gut besucht sein wie vorher die Kirche?

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