Mein fremdes Land

Manuel – ein Campesino aus Karlsruhe

Der Film von Marius Brüning und Johannes Preuss ist eine doppelte Reise. Zuerst wird Manuel vorgestellt anhand von Super-8-Aufnahmen aus seiner Kindheit und Jugend. Er war der Wonnepfropfen in der Familie seiner Adoptiveltern mit drei älteren Schwestern.

Von den schwäbischen Kindern, mit denen er aufwächst, unterscheidet Manuel sich durch sein Indio-Aussehen, die dunklere Haut. Das habe aber den Ehrgeiz in ihm geweckt. Um anerkannt zu werden, musste er besser sein als die anderen.

Die zweite Reise ist die ausführlichere, auch die schwierigere. Es wird ein Road-Movie zu seiner Herkunft, die Suche nach seiner Mutter. Gibt es die überhaupt noch, ist sie ausfindig zu machen?

Die Adoptiveltern von Manuel wollten 1991 einfach noch einem Kind, das nicht in deutsche Wohlstandsverhältnisse hineingeboren wurde, ein gutes Leben ermöglichen. In Bolivien wurden sie fündig in einem Kinderheim. Wie der Zufall es will, hatten sie dort zwei Kinder zur Auswahl, sie entschieden sich für das, welches Fürsorge und Aufmerksamkeit nötiger hatte, es war der Einjährige, der inzwischen Manuel heißt.

Als Erwachsener treibt ihn zusehends die Frage nach seiner Herkunft um. Es gibt gut erhaltene Adoptionsunterlagen. Der Name der Mutter ist bekannt. Das wird der Ausgangspunkt der Suche, die durch zweisprachige Helfer unterstützt wird.

Eines Tages macht Manuel sich auf den Weg mit einem Begleiter von La Paz aus. Manuel spricht nicht ein Wort Spanisch. Bekannt ist zu dem Zeitpunkt auch, dass die Mutter eine Campesina sei, eine Frau, die auf dem Land lebt und vermutlich vom Ertrag ihres Grundstückes lebt.

Es wird eine Reise werden, die nicht nur voller eindrücklicher Bilder der kargen Gebirgslandschaft von Bolivien sein wird. Es wird eine Reise von einer großen Ortschaft zu einer kleineren und noch einer kleineren und immer weiter weg von den Städten bis zu einem einsamen Flecken Erde.

Es wird eine Reise großer Rührung werden, voller Zärtlichkeit für Menschenschicksale, die erst auseinander gerissen und dann wieder zusammengeführt werden.

Es wird eine Reise zu einem krassen Gegensatz zwischen deutscher Karlsruhe-Realität und Campesina-Realität in Bolivien werden. Es wird eine Reise werden, die die Schicksalshaftigkeit des Lebens in gefühlvoller Schwebe lässt, zu einer Begegnung zwischen Menschen, die einerseits alles gemeinsam haben und dann doch wieder kaum etwas, zwischen Menschen, deren Lebensweise kaum unterschiedlicher sein könnte an verschiedenen Ecken dieser Welt und die etwas ganz Ursprüngliches verbindet.

Und es gibt einen Blick in die raue Realität von Minenarbeitern im Erzabbau in der Nähe von Manuels Geburtsort, ein Lebensweg, der ihm möglicherweise auch hätte blühen können, ein Arbeitsleben, das früh von Krankheiten dahingerafft werden kann und das überhaupt nur dank Koka zu ertragen ist.

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