Elvis

Wie hinter Plastikfolie

Die Kinoschrift von Baz Luhrmann, der mit Sam Bromell und Craig Pearce auch das Drehbuch zu diesem Biopic über Elvis Presley geschrieben hat, ist furios; wie mit Dartpfeilen präzise schießt er die Bilder auf die Leinwand und das mit dem Tempo eines Trommelfeuers und arbeitet noch mit Überblendungen und Splitscreen.

Luhrmann lässt die Geschichte des Rock’n Roll Sängers aus der Sicht seines Managers Colonel Tom Parker (Tom Hanks) erzählen. Der ist auf dem absteigenden Ast, krank, verspielt sein Geld in den Casinos von Las Vegas. Aber er schaut zurück, wie er wie ein Trüffelschwein in den frühen 50ern als Zirkusimpresario in den Südstaaten, die noch vom Rassismus geprägt waren, unterwegs ist. Wie er in den kulturellen Randgebieten der Schwarzen fündig wird und den jungen Elvis Presley (Austin Butler) entdeckt, ein Weißer mit dem Habitus eines Schwarzen.

Presley ist geprägt von der Musik der Schwarzen, vom Gospelsong in Memphis. Mitreißend wie dieses Milieu geschildert wird, ist aber ein Weißer, das scheint die Voraussetzung für den Erfolg. Auffällig an Elvis ist, dass er wie die Schwarzen mit den Lenden tanzt.

Luhrmann macht ein Meisterstück daraus, wie er den rosa Anzug beim Auftritt des jungen Elvis flattern lässt, so aufregend wie ein Grünewald in der Renaissance Faltenröcke malerisch schilderte.

Parker sieht sofort, was aus dem Jungen zu machen ist und nimmt die Zügel für dessen Karriere in die Hand. Allerdings wird dieser Prozess des weiteren nicht justiziabel sondern mehr illustrativ geschildert, wobei Tom Hanks immer wieder mit seinem durchtriebenen Managerblick forschend auftritt und dazwischengrinst.

Ganz löst der Film aber das Versprechen, aus der Sicht des Managers zu erzählen, nicht ein. Es wird ein zügig erzähltes Biopic, das in wenigen Sekunden die Militärzeit in Deutschland abhakt, vor allem, um dem Manager die Chance zu geben, die Skandale, die der Sänger gleich zu Beginn ausgelöst hat, auszubügeln, indem er ihn als mustergültigen Ami, der in der Armee dient, überzeugend darstellt und promotet.

Irgendwie leben die beiden Hauptfiguren wie ein Leben nebeneinanderher. Es gibt schon mal eine Besprechung oder die Intrige, den Künstler vom Manager loszueisen. Beide Figuren bleiben undurchdringlich und dem Zuschauer wird mehr informativ ihre gegenseitige Abhängikgeit bewusst. Was den Genuss der Musik, Austin Butler singt und performt hervorragend, in keiner Weise mindert; genauso wenig wie den Spaß an der frühen Euphorie der weiblichen Fans, alle noch in wunderbaren 50er Jahren Kleidung und Frisuren.

Der Film The King – Mit Elvis durch Amerika hatte mir aber den Sänger irgendwie näher gebracht. Hier wirkt die Hommage so, als sei sie mit Plastikfolie verhängt.

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